11. Hambührener Rocknacht

Endlich kein Schnee. Endlich Mitte März. Endlich Hambührener Rocknacht. Wie auf kaum eine andere Veranstaltung freut man sich, wenn man Monate, aufgrund der Witterung, nicht im Landkreis rumkommen kann. Nach der Überlänge der letzten Jahre, sollen uns dieses Jahr gleich zwei Abende Töne um die Ohren sausen. Ob das gelungen ist, steht im Artikel.

Diesmal mit extra vielen Publikum- und Drummerfotos (hier!).

Freitag 12.03.2010 geschrieben von David. Fotos von Jörn

Erfreut ist man gleich am Eingang. Trotz der zwei Tage bleibt der Ticketpreis auf Vorjahresniveau. Mit 6€ Abendkasse für zwei Abende ist die Rocknacht überaus günstig geblieben. Zum leckeren Würstchen gibt es dieses Jahr sogar noch eine Gurke dazu. Studenten und Schülerpreise, die einen wirklich günstigen Abend versprechen (der schreibende Redakteur kann sich trotzdem nicht erklären was er mit 30€ gemacht hat).

StenRei, die Celler Band, die sich in letzter Zeit wohl am meisten umbesetzt hat, spielt auf der 11. Hambührener Rocknacht als Opener. Dieses mal stehen nur zwei Musiker auf den Brettern: Carsten an der Gitarre und dem Mikrofon und Frank an den Drums. Die beiden Musiker - die zugleich auch Brüder sind - erinnern uns sofort an Two Rock, eine zweiköpfige Band in der Carsten damals auch den Frontmann abgab. Die kleine Halle des Jungendzentrums ist während des Auftrittes leider noch recht leer. Ein typischer Opener-Auftritt, der dennoch musikalisch überzeugen kann.

Das Liedermacherduo River Portpilots aus Hildesheim, lässt es ruhig angehen. Lieder über Liebe, fröhliche als auch traurige bestimmen das Repertoire von Sam und Brian. Einige wirklich witzige Lieder zum Aufheitern wären nicht schlecht gewesen. So versanden die Beiden und die meisten Gäste trinken ein leckeres Bier und unterhalten sich.

Deutlich aktiver wird es dagegen bei Lauschangriff. Witzig wie immer präsentieren sie ihr Werk. Eine Mischung aus eigenen Indie-Rock Stücken und Coversongs. Sehr genial finden wir 'Roboter'. Ein Song mit sehr elektronischem Klang, der bei der rechten Stimmung im Publikum garantiert super mitgegröhlt wird. Mehr Songs in die Richtung bitte!

Anders als Lauschangriff setzen Fire in Fairyland nicht auf Elektro, sondern auf den Gegensatz der beiden Gesangsstimmen. Während Sängerin Anni eine sehr freundlich klingende Stimme hat, ertönt Thorben sehr viel rauer. Im Prinzip klingt die Musik der Band wie 'Die Happy' mit einem männlichen Gesangspart. Die Gäste verhalten sich endlich mal nicht mehr wie eingerostete Fährräder und bewegen sich etwas. Super! Nach drei Bands kommt endlich etwas Tanzlaune auf.

Beibehalten wird diese durch Discord. Während diese einige Songs aus ihrem neuen Album präsentieren, zappelt das Publikum fleißig weiter. Neu ist, dass bei einigen Songs nun auch Bassist Joschi zum Mikrofon greift. Was gar keine so falsche Idee ist. Neben einigen eher langsameren Stücken, sind natürlich auch schöne, schnelle Songs wie „Army of Chessman“ dabei.

Als letztes spielen Venus in Pain. Nach ihrem Ausfall im letzten Jahr, sind wir ganz gespannt wie sich Venus in Pain jetzt schlagen. Mit Progressivem Metal sticht die Band an diesem Abend deutlich hervor und rundet den musikalischen Mix sehr gut ab. Die noch verbliebenen Gäste nehmen die Mucke recht gut auf und lassen den Abend in Ruhe ausklingen.

Der erste Abend hat sich definitiv gelohnt: tolle Bands gesehen, günstig Bier getrunken und zum Schluss ordentlich getanzt. Einzige Störfaktoren sind die Lautstärke und der Sound. Ohne Schutz fliegen einem in Hambühren immer die Ohren weg.

 

Samstag 13.03.2010 geschrieben von Bastian. Fotos von Johann.

 

Nach dem gelungenen Auftakt, waren wir natürlich sehr gespannt, was am zweiten Tag der ersten zweitägigen Rocknacht noch an Party und Überraschung auf uns wartet.

So sind wir pünktlich zum Beginn des Sets der ersten Band an diesem Abend, Schlamargo, im Jugendzentrum. Schlamargo sind eine sympathische, junge Deutschrockband direkt aus Hambühren und haben offensichtlich für diesen –  ihren mehr oder minder ersten großen - Auftritt eine ganze Meute an Fans eingepackt und in die Ruine verfrachtet. Diese singen eifrig mit und bewegen sich, wenn auch teils zögerlich, zur Musik der Rocker mit dem lustigen Namen. In der beliebten Besetzung Gitarre+Gesang, Gitarre, Bass, Keyboard und Drums waren sie technisch sehr gut. Am Gesang hätte noch gefeilt werden dürfen, die lustigen Zwischengeschichten und Aufheiterungsversuche lassen uns aber verzeihen. Auch, dass Keyboarder Jonas während des Gigs ab und zu zu verschwinden schien, irritierte ein wenig, störte den Spielfluss letztendlich aber doch nicht. Wir sind gespannt, mehr von Schlamargo und ihren teils deutschen, teils englischen Songs zu hören.

Nach dem Auftritt müssen wir an die frische Luft, denn, pfui, es stinkt gewaltig in der Ruine. Wir beschließen, auch nur noch mit Gehörschutz zurückzugehen, denn der gewohnt extrem laute und dröhnende Sound im hambührener Jugendzentrum ist schon beinahe schmerzhaft. Auf den nächsten Auftritt freuen wir uns besonders, warten wir doch schon lange gespannt auf den ersten Auftritt von WhatEver mit ihrem neuen Gitarristen Shishir. Und der haut uns um. Nicht nur, dass die neuen Songs, die die Jungs uns präsentieren, gewohnt ohrwurmverdächtig sind, nein, die alten Songs erscheinen uns mit einem Mal ein ganzes Stück wuchtiger und rockiger. Gerade Shishirs Soli passen unglaublich gut. Mit 'WhatEverischen' Bespaßungsmaßnahmen sichert sich die Band zudem auch die Sympathie aller Gäste, die WhatEver noch nicht kannten. So wird bald in der rappelvollen Ruine gepogt und getanzt. Nach einer Zugabe ist dann aber endgültig Schluss. WhatEver – wieder einmal grandios.

Die anfangs schon erwähnten sound- und lautstärkebedingten Ohrenschmerzen können und wollen wir WhatEver oder der Technik in der Pause aber auf keinen Fall anlasten – die Ruine ist einfach keine Konzerthalle. Als hervorragendes Musikmagazin, das wir sind, gehen wir natürlich auf Alles ein. Die haben nämlich im Anschluss an WhatEver gerockt. Mit leichter Verspätung, aufgrund eines Problems beim Bassverstärker, beginnen Alles ihr Set. Wenn der Sound auch gerade grottig ist und das Publikum sich erst einmal von WhatEver erholt, geben Alles dennoch ihr bestes und spielen die bekannte Mischung aus gewaltig bösem (Metal-)Bass und rockigen Gitarrenklängen. Das Publikum, das nicht vollkommen erschöpft ist, feiert auch hier noch einmal kräftig ab. Der Song „Ich liebe dich“ scheint sich zur heimlichen Bandhymne gemausert zu haben - wir finden ihn auch toll, nur verdirbt uns der Sound ein wenig den Spaß an Alles, die ihre Faszination größtenteils dem druckvollen Sound ihres Bassisten Tobias verdanken.

Kaum haben Alles aufgehört zu spielen, beginnen One Strike Left, die aus der Versenkung wieder aufgetauchten Punk/Hardcore Rocker, mit ihrer beinahe schon traditionellen Show. Wir freuen uns, euch wieder zu haben! Im direkten Vergleich zum letzten Jahr ist die Stimmung anfangs aber arg zurückhaltend. Bald darauf wird aber beim Headbanging mächtig der Kopf geschüttelt, gepogt und getanzt – von den Pits ganz zu schweigen. Die Hannoveraner spendieren sogar eine bei den Cellern so beliebte Wall Of Death – Augenzeugenberichte sprechen von mehreren Toten. Scherz beiseite – mit ihrer Mischung aus Geschrei und klarem Gesang, aus Melodie- und Geknüppelparts und aus alten und neuen Songs überzeugten One Strike Left einmal mehr in Hambühren. Auf manche Sachen ist halt Verlass.
Die anschließende Pause haben viele bitter nötig.

Up Next sind die Hildesheimer Newage, die das Publikum mit ihrem melodischen, relativ sanften Punkrock zum Feiern animieren. Newage sind Kevin, Timo und Tobi, die an diesem Abend mit Abstand den besten Sound haben. Die Rahmenbedingungen stimmen – das Tanzen klappt soweit auch ganz gut. Nur ist das Publikum inzwischen sehr ausgedünnt und die meisten Anwesenden sind sehr zurückhaltend – ein Großteil des Publikums besteht aus offensichtlich gelangweilten Metallern. Schade, denn Newage waren überhaupt nicht schlecht und wir könnten sie uns im nächsten Jahr wieder für die Rocknacht vorstellen.

Erwähnte Metaller kommen bei der nächsten Band auf ihre Kosten. Soulerosion haben wir das letzte Mal in Celle noch mit anderem Lineup gesehen – aber wir haben keinen Grund zum Jammern. Der Thrash Metal der Hannoveraner geht auf mit verändertem Lineup mächtig auf die Nackenmuskeln (und in die Fresse eh). Zugegeben, das Intro wirkt ein wenig weit her geholt – mit Lux Aeterna muss man sparsam sein, gerade wenn der Einsatz a bisserl zu spät kommt. Aber, und das muss man fairerweise zugeben, Soulerosion haben das restliche Publikum (die halbe Ruine) immer noch gut im Griff. Thrasht weiter! Wir wollen euch bald wieder sehen.

Anschließend bauen Captivity, deren riesiges Backdrop wir schon den ganzen Abend bewundert dürfen, auf. Captivity sind ja inzwischen eine nicht mehr wegzudenkende Größe in unserer Region und demzufolge auch häufiges Opfer unserer frechen Berichterstattung – und genau diesem Stapel an Berichten können wir uns auch heute wieder einmal nur anschließen. Die Band rockt einfach! Herrliche Melodien und fette Riffs zwingen einen förmlich zum Mitmachen. Mit den letzten Verbliebenen Headbangern feiern Todesmetaller die Hambührener Rocknacht, die damit – zum elften Mal – zu Ende geht.

Es bleibt festzuhalten, dass WhatEver alle unsere Erwartungen übertroffen haben, Newage und Schlamargo, über die wir das erste Mal schreiben, uns einen guten ersten Eindruck geliefert haben, und auch die anderen Bands, Alles, Soulerosion und Captivity und One Strike Left auf ganzer Länge überzeugen konnten.
Wir wünschen uns eine ähnlich gute Bandauswahl im nächsten Jahr. Wir wünschen uns weiterhin unschlagbar günstige Preise – sei es nun Eintritt oder Verköstigung. Wir wünschen uns, dass die nächste Rocknacht wieder so großartig wird. Und – ehrlich gesagt – können wir die Zeit bis dahin kaum erwarten!

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