Alle Jahre wieder ist zwar auch Weihnachten aber vor allem das Südwinsen Festival, das seit nunmehr 14 Jahren praktisch in der Halbzeitpause des Jahres abgehalten wird. Für alle, die diesmal nicht auf der Festivalwiese in Südwinsen, bei unserem Lieblings „Umsonst und draußen“-Event, gewesen sind, erklären wir euch, was das 14. Südwinsen Festival auszeichnete – und zwar am Beispiel des ersten Festivaltages, Freitag, dem 23.07.2010 (Fotos gibts hier):
Freitag (Tag 1) geschrieben von Bastian, Fotos von Svenja und Bernd Harms
Am Morgen regnet es, doch laut Wetterbericht soll es trocken werden – wer hat hier recht? Im Zweifelsfall sind wir lieber gut gerüstet und packen nicht nur einen, sondern gleich zwei Regenschirme ein, verzichten auf das obligatorische Zelt und nehmen uns vor, im Automobil zu nächtigen. Los geht es zwar erst um 17:50 Uhr mit der alljährlichen Begrüßung durch den Festivalsprecher Nille, aber wir sind überpünktlich um kurz vor 16:00 Uhr vor Ort. Die Festivalwiese ist schon mit zahlreichen Zelten, Wohnwagen und Autos bedeckt, erscheint uns jedoch etwas leerer als im Vorjahr. Das liegt aber vermutlich an der abschreckenden Wirkung der Regenwolken am Himmel, die sich im Laufe des Nachmittags immer mehr verziehen. Während wir unsere Stühle und Getränke aus dem Auto holen, sehen wir schon mehr und mehr bekannte Gesichter, mit denen wir es uns dann in „SüWi-Manier“ bei einem zugegebenermaßen nicht mehr ganz so kühlen Bier gemütlich machen. Wir lassen unseren Blick schweifen, wollen Eindrücke festhalten und werden von der näheren Umgebung attackiert. Weil wir am Rand des Geländes zelten, wo sich eine ungemähte Wiese anschließt, wimmelt es hier nur so vor Grashüpfern. Der Boden ist trotz des Regens am Vormittag sehr trocken und auf dem Gelände wird an diesem Tag noch der ein oder andere Kampf in der Disziplin „Mann gegen Hüpfer“ ausgefochten. Sogar in unser Auto wagen sich die frechen Tierchen!
Schließlich – nach zwei oder drei oder vier Bier – ist es auch schon zehn vor Sechs und wir eilen zum Gelände, um bloß nichts zu verpassen. Der Aufbau ist nahezu gleich dem des Vorjahres: Nach dem Betreten des Geländes fällt zunächst der Stand auf, bei dem wir Wertmarken, T-Shirts und Festivalbändchen erwerben können. Dann folgen die Fressalienecke (es gibt wie immer Würstchen im Brötchen oder vegetarische Nudelsuppe, wahlweise auch mit Bockwurst zu unschlagbar günstigen Preisen), Südwinsens längster Biertresen und eine Ecke, die später zu einem Merchandisestand umfunktioniert werden wird. Spontan fällt uns das Fehlen des sympathischen roten Busses auf, den wir im letzten Jahr noch erklimmen durften. Schade – aber so ist die Menge immerhin nicht zersplittert. Wir machen es uns auf den Bänken gemütlich, über denen ein Tarnnetz hängt, das im Falle von starker Sonneneinstrahlung sehr sinnvoll ist. Neben uns ist die Cocktailbar, die auch am ausklingenden Nachmittag schon einige Gäste zu verzeichnen hat. Die traditionelle Festivaleröffnung ist kurz und knackig, sodass „Alles“ pünktlich um 18:00 Uhr die Bühne betreten und mit ihrem Ohrwurmsong „Ich liebe dich“ einen guten Start hinlegen. Auch eine unfreiwillige Pause, weil Frontmann Sven eine Gitarrensaite reißt, überbrücken sie sehr elegant. Zur Eröffnung des Festivals ein schöner Auftritt, bei dem allenfalls mehr Publikumspräsenz wünschenswert gewesen wäre. Nach „Alles“ sehen wir uns noch die Märchenrocker von „Fire in Fairyland“ an, die einen soliden Auftritt hinlegen und begeben uns dann zu Fuß – dem Alkoholpegel sei Dank – zu dem recht nahen E-Center, wo wir uns mit Sachen versorgen, die wir auch vorher hätten besorgen können. Schusseligkeit ist ein Fluch. Außerdem: Kauft niemals das Schnitzel, das mit dem Slogan „Ideal zum Kaltverzehr“ wirbt. Es ist höchstens als Toilettenpapierersatz für Hedonisten geeignet. Mit „Ronny Mono“ aus Gifhorn und „Black Sheriff“ aus Köln spielen zwei richtig raue, rockige Bands direkt hintereinander. Hier hätte etwas Abwechslung gut getan. Vielleicht wollte man das Publikum aber auch schon auf den Headliner „Ohrenfeindt“ einstimmen und einen durchgängigen Rock-Tag schaffen? Die Indierocker „The Laconics“ rocken noch einmal das Haus und überzeugen auf ganzer Linie nicht nur uns, sondern auch das inzwischen sehr große Publikum, das – mal entspannt, mal wild – in einem großen Bereich vor der Bühne tanzt. Während der Zugabe, die die Band spielen darf, müssen wir für den heutigen Tag den Schlussstrich ziehen. Den Hardrock der Hamburger Legenden „Ohrenfeindt“ hätten wir zwar zu gern gesehen, müssen uns aber den Kopfschmerzen ergeben und verbringen die Nacht deshalb auch nicht auf dem Festivalgelände, sondern zuhause. Eure Impressionen von Ohrenfeindt könnt ihr uns aber gerne in Form eines Kommentars zukommen lassen – es würde uns freuen!
Samstag (Tag 2) geschrieben von David, Fotos von Jörn und Bernd Harms
Nach durchzechter Nacht, dem Gedanken an ein neues Bier und der Erfahrung des letzten Jahres, lassen wir den ersten Auftritt der Biertenöre erst einmal sausen. Die Liedermacher sollen an diesem Tag später noch einmal spielen. Stattdessen nutzen wir die Zeit um über den sehr vollen Zeltplatz zu wandern. Leute spielen mit einem Schwein Football, grillen, ruhen sich aus, oder laufen in den Klamotten des anderen Geschlechts über den Zeltplatz.
Bei den Jungs von Lauschangriff, der ersten Band die wir uns heute angucken, wird es leider zunehmend leerer vor der Bühne. Und dass, obwohl sie angekündigen keine gemafreie Musik mehr zu spielen. Schade eigentlich. Die Coverversionen von Lauschangriff haben ordentlich pepp und wären später am Abend wohl besser beim Publikum angekommen.
Die Biertenöre singen wie im Jahr zuvor wieder vom Konsum von Bier. Zeitlich trifft die Regel "Kein Bier vor vier" auch nicht mehr zu. Die Verlockung sich in ein ähnliches Delirium zu trinken, wie es in den Songs suggeriert wird, steigt mit fortlaufender Spielzeit der Band proportional an. Das Publikum ist jedenfalls sichtlich erfreut über die Band aus Braunschweig und Berlin.
Nach den Biertenören sollte eigentlich Anna singt singen. Da Anna aber aus gesundheitlichen Gründen nicht singen kann, stehen Locker Drehn, ebenfalls aus Braunschweig, nun als Ersatz auf der Bühne. Munterer Skarock ist nach den Liedermachern genau das richtige, um in Tanzlaune zu kommen. Besonders ansprechend ist der nette Herr, der ab und an mit einem Banjo die Bühne betritt und passend zum gelben Gras der Wiese für die richtige Wild-West Stimmung sorgt.
Mit Cowboy-Hüten geht es auch weiter: Clear Rats machen Rockabilly vom feinsten. Mit der sehr tiefen und klaren Stimme des Sängers begeistern die Coversongs schnell viele der Gäste. Auch sind wir sehr angetan von der Bühnenshow des Trios. Mal wird mit dem Instrument über dem Kopf gespielt, mal wird der Kontrabass umhergewirbelt. Definitiv eines der Highlights des Abends.
Die nächsten zwei Stunden verbringen wir auf dem Zeltplatz, wo man immer wieder verschiedene Leute trifft, die man Jahre nicht mehr gesehen hat. Leider verpassen wir so TV Smith und den Special Guest und schaffen es erst wieder zu der grandiosen Gruppe Elizabeth Lee s Cosmic Mojo vor die Bühne. Der Bluesrock der Gruppe trifft, wie schon vor drei Jahren, genau den Geschmack des Publikums. Kurzgefasst wird vor der Bühne fleißig getanzt und alle wirken glücklich. Wir sind auch glücklich und bereichern unser Gehör an der schönen Gesangsstimme.
Zum Schluss gibt es noch einmal Ska von den Offenders aus Italien und dann ist das Südwinsen Festival leider schon wieder vorbei. Wer unsere Reviews zum Südwinsen Festival kennt, weiß was jetzt kommt: das Süwi hat sich wieder einmal gebessert. Die Stimmung war fantastisch und die Bands super. Von uns ein fettes "Danke!" an die Menschen, die so ein Festival auf die Beine stellen. Nur einige von uns sollten echt weniger trinken.
Wir möchten uns noch einmal ganz herzlich bei Bernd Harms von KrokoPix bedanken, der uns mit Fotos ausgeholfen hat. Seine Homepage findet ihr hier!
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