Ach, wir haben sie lieb gewonnen, die monatlichen Treffen in den Räumen der Celler Rockmusik Initiative. Jedoch - an diesem Wochenende hat die CRI ein Treffen in Halle 16 der CD-Kaserne ausgerufen. Und wer nicht gänzlich uninformiert ist, weiß auch warum. Die CRI feiert in diesem Jahr ihr dreißigjähriges Bestehen, welches sie nicht nur mit einer Riesensause auf dem Tag der Niedersachsen, sondern auch mit einer weiteren Topveranstaltung in der CD-Kaserne begießen möchte. Doch zunächst ein wenig nötiges Hintergrundwissen.
Als die Celler Rockmusik Initiative im Jahre 1980 gegründet wurde, war die Welt noch eine andere. (Es sei verraten, dass nicht ein einziges grassyworld.net-Teammitglied zu diesem Zeitpunkt auf der Welt war.) Rockmusik war gefragt und vor allem nicht mehr in dem Maße verfolgt wie in den sechziger und siebziger Jahren. Die CD-Kaserne als Zentrum und mögliche Bühne existierte in der Form eines Kulturzentrums noch nicht – also wohin mit den Bands, wohin mit den Konzerten? Die Celler Rockmusik Initiative bildete sich und versuchte aktiv, Konzerträumlichkeiten zu finden und griff Bands bei der Steigerung ihres Bekanntheitsgrades unter die Arme. Eine tolle Sache!
Und auch wenn die CRI über eine gewisse Zeit kurz vor dem Zusammenbruch stand, hat sie sich in den letzten Jahren erholt und ist wie ein Phönix aus der Asche gestiegen. So präsentiert sie sich auf ihrer Geburtstagsfeier nicht nur umgeben von älteren und jungen Künstlern sondern ebenso umgeben von älterem und in gleichem Maße von jüngerem Publikum – natürlich umsonst, wie immer!
Selbst Besucher, die nicht ganz pünktlich um 17:30 Uhr in der CD-Kaserne sind, haben die Chance der Rockband der Kreismusikschule Celle zu lauschen. Diese covert bekannte Rocktitel wie „Money“ von Pink Floyd und spielt ihre eigene Version von „Another Brick in the Wall“ im Country-Rock-Stil, der ein wenig an die Blues Brothers erinnert. Der Sound ist hervorragend und auch, dass dem Gitarristen eine Saite reißt, trübt das positive Gesamtbild, dass die Band bei den bis jetzt etwa 100 Besuchern hinterlässt, nicht. Nach Marcel Hennies und Alles, die einen hervorragenden Auftritt mit sehr druckvollem Sound abliefern, gehen wir kurz zum „frische-Luft-Schnappen“ nach draußen. Dort überlegen wir uns, dem Gebäude der CRI einen Besuch abzustatten und finden uns kurzerhand im dortigen Proberaum wieder, wo die Tech-Death Metal Newcomer Anthropophagist die Bude rocken. Wir sind mächtig gespannt auf den ersten großen Gig dieser Jungs.
Wieder zurück in Halle 16, lauschen wir Chardonnay. Dudelsack, Bass, Gitarre und Cajon erzeugen einen entspannten aber mitreißenden Klang. Einige, vornehmlich ältere Leute wagen sich endlich nach vorne und wackeln vorsichtig mit den Hüften. Es bleibt ruhig und entspannt, während des Auftrittes von Andy Gordon. Als dann aber El Pantano im Anschluss auf die Bühne stürmen, gibt es bei den harten Rockern und Metallern kein Halten mehr. Erst mit YEP wird es wieder ruhiger. Sie covern unter anderem „Bring Me Some Water“ (im Übrigen sehr gelungen) und haben bei der Songauswahl auch an die Balladenfreunde gedacht. Das scheinbar nach El Pantano völlig ausgetauschte Publikum lässt sich mitreißen. Daumen hoch! Wie die folgende Band nun richtig heißt, wissen wir auch nicht – ob es die angekündigten Gentle Männer sind oder eine vollkommen andere Truppe -etwa das Allstar Projekt? So richtig sicher war sich keiner. Zumindest spielt die Truppe in der Besetzung mit zwei akkustischen Gitarren, einer E-Gitarre, einer Bassgitarre und Schlagzeug eine hervorragende Show. Besonders das sehr authentische „Calling in the Air Tonight“-Cover kann auf der ganzen Linie überzeugen. Schließlich beginnt die große Sause: Alle Leute, „die etwas mit der CRI zu tun haben“, werden auf die Bühne gebeten – schlagartig ist Halle 16 gerammelt voll – es ist immer noch die gleiche Band auf der Bühne – und dann kommt er: Einer der Momente, die man nie vergisst. Die Celler Rockmusik Initiative singt „Another Brick in the Wall“ - es wird mitgesungen, getanzt. Dann betritt auch noch der komplette Musikzug Groß Hehlen die Bühne und spielt bei „Tusk“ von Fleetwood Mac die Begleitung. Was für eine Aktion – was für ein Spaß!

Mit der anschließenden 1980 Session Band kommt noch einmal nostalgische Stimmung auf, auch bei uns unter 30-jährigen. Ob bei JJ Cale oder Motörhead, man macht mit, man hat seinen Spaß. Collateral Damage bilden den Abschluss des offiziellen Teils vom Festakt. Die Ahnsbecker spielen in der Besetzung, in der sie auch schon beim Break the Ground gespielt haben. Gesangstechnisch ein deutlicher Sprung nach vorn – der Sound ist dem sicherlich nicht abträglich. Es ist zwar etwas leerer, aber deutlich voller als man es sonst von Celle um 01:00 Uhr gewohnt ist. Die Verbliebenen headbangen oder pogen. Man hält sich wach, schließlich geht es mit der Aftershow-Party noch weiter – aber nicht für uns. Wir nehmen in Kauf, Everlasting Ebony und Rockout zu verpassen, und begeben uns ins heimische Bett.
Herzlichen Glückwunsch, liebe CRI, zum 30. Geburtstag! Nach dieser grandiosen Show bleibt sowieso nicht mehr zu sagen als „Macht weiter so und auf die nächsten 30“- wir sind uns sicher!
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