Adel verpflichtet - CDU in Osnabrück

"Adel verpflichtet“ wird sich Karl Theodor zu Guttenberg gedacht haben und deshalb beehrte er mit seiner konservativen Entourage zwecks Wahlkampfs Osnabrück.

Mit fast 10 Minuten Verspätung und nachdem die Schülerkapelle des Ratsgymnasiums das Publikum mit Hits wie „Killing me Softly“ auf den hohen Besuch eingestimmt hatte, betrat die Riege endlich das Rednerpult. Angekündigt waren, neben dem Hauptact Guttenberg, auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff und Familienministerin Ursula von der Leyen. Letztere hat allerdings, wie der erste Redner verkündete, den Termin kurzfristig abgesagt. Bevor Guttenberg zum Mikrofon griff durfte allerlei C-Prominenz, vom Kreisvorsitzenden der CDU Osnabrück bis zum Bundestagskandidaten Dr. Mathias Mittelberg ihre Sympathie für den Wirtschaftsminister kundtun. Die Beiträge reichten thematisch nicht über inhaltslose Lobhudelei hinaus. Mittelberg feierte ihn als „unabhängigen Kopf“, der „sagt was Sache ist“. Wulff dagegen stieß heftig in ein Horn aus dem es noch öfters schallte: Die „Rot-Rote Gefahr“ war in allen Reden omnipräsent.
Guttenberg selbst gab sich wie er von seinen Vorrednern ausschweifend beschrieben wurde, als Fels in der Brandung, der fränkische Rebell, wortgewandt und witzig. Mit diversen Kalauern schleuste er sich durch seine Rede die das scheinbar wichtigste Thema des Wahlkampfes, die Finanzkrise, thematisierte.
Der Marktplatz in Osnabrück war sehr gut besucht, doch es waren mitnichten nur Anhänger der CDU oder unentschlossene Wählerinnen und Wähler. Zwar hatten sich auch einige Junge Union Jubelperser unter das Publikum gemischt, doch auch viele Kritiker empfingen die Union. Der BDM (Bund deutscher Milchviehhalter) sah sich von der CDU im Stich gelassen und skandierte „Hast du ’ne Kuh, wähle keine CDU“ um auf die Überproduktion der Milch und die damit verbundenen fallenden Milchpreise aufmerksam zu machen. Einige andere Besucher beteiligten sich an einem Anti-Atom Flashmob. Weiterhin protestieren mit Transparenten und Fahnen unter anderem attac, ausgestrahlt und die Piratenpartei.
Insgesamt setzte die Veranstaltung eindeutig auf Personenkult. Auf ihrem Höhepunkt stilisierte Georg Schirmbeck (MdB) Guttenberg zum Symbol der Marktwirtschaft hoch. Eine weitere Taktik war das Diskreditieren des politischen Gegners. Anstatt durch Ideen und Konzepte zu überzeugen, schürten die Wahlkämpfer auf inflationäre Art Angst vor einer rot-rot Koalition. Schlecht ist sie damit allerdings nicht gefahren. Guttenbergs fragwürdige Präsens im Wahlkampf (als CSU Politiker in Osnabrück?) wurde größtenteils beklatscht und findet scheinbar in den Beliebtheitsumfragewerten seine Berechtigung.

Vielen Danke an Maurice für den Artikel. Mehr von Maurice findet ihr hier.



Deine Bewertung: Nichts (3 Stimmen)

Wunderbarer Artikel

Also insgesamt gefällt mir der Artikel super, und beschreibt das Verhalten der CDU/CSU sehr gut (Schüren einer imaginären Angst vor "rot-rot", Personenkult etc etc...)

(Warum finden eigentlich so viele den Guttenberg so geil?)

Eine Sache sein noch gesagt (weil ich das heute malwieder gefragt wurde)
MdB heißt "Mitglied des Bundestags"... nur so zum Textverständnis für die Allgemeinheit, weiß schließlich nich jeder...

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