Celle Rock City Festival 2010

Das fünfte Jahr stand vor der Tür, auf das sich viele aus der Metal-Szene riesig gefreut haben, denn am 30. April und am 01.Mai wurde das 5-jährige Jubiläum zum Celle Rock City Festival im Jahr 2010 groß gefeiert! Nicht nur die Celler, sondern auch überregionale Besucher wollten sich dieses Festival nicht entgehen lassen und warteten gespannt auf  altbekannte, aber auch neue Bands, die jeweils zu siebt an einem Festivaltag auftreten.(Fotos gibts hier!)

Tag 1 (Bericht Anna, Fotos Christopher):
Auch das grassyworld.net-Team kann sich der Versuchung des CRCs nicht widersetzen. Somit machen wir uns an einem etwas kühleren Freitagabend auf den Weg in die CD-Kaserne, welche wir um 18:30 Uhr erreichen. Wir schließen uns der kleinen Warteschlange an der Kasse an und warten auf ein tolles blaues CRC-Festival-Bändchen und auf ein rotes Stück Papierband. Das 1-Tagesticket kostet im Vorverkauf 10,00 Euro beziehungsweise 14,00 Euro an der Abendkasse. Das 2-Tagesticket im VVK bekommt man für 18,00 Euro; die Abendkasse verlangt für den Spaß 4,00 Euro mehr.
Erfahrungsgemäß ist ein 2-Tagesticket aber ein sehr gutes Investment!

Wir schlendern durch das Foyer, in das ein kleines „Zeltchen“ mit großem Vorrat an Ratzeputz aufgestellt wurde. Einen Stand weiter werden T-Shirts, Cappys und Pullover der einzelnen Bands an kauftüchtige Gäste verkauft, die auch ihr Erworbenes sofort voller Stolz und aus Treue gegenüber den Bands anziehen. Auch eine kleine Verlosung rechts neben dem „Zeltchen“ lockt manche Besucher an. Sowohl drinnen als auch draußen tummeln sich Leute mit einem köstlichen Bier oder (natürlich nur draußen) mit einer kleinen „Ziese“, die zur Entspannung dienen soll. Es ertönen die ersten Klänge der Band
3rd Grade Burn, die das große Fest zusammen mit uns eröffnen. Anfangs ist die Halle 16 nur von Wenigen besucht, doch die groovigen Klänge der Gitarre und des Basses locken so manch einen an. Nach dem Song werden die Anwesenden nach vorne zur erweiterten Bühne gebeten, um nicht ganz so schüchtern und abgeschieden von der Welt zu sein. Eine gute Idee, denn so langsam tauen viele der Gäste auf und wippen immerhin schon mal mit ihren Köpfen. Die Mutigen unter ihnen bewegen sich ohne Hemmungen zu den coolen Riffs der Musik und verbreiten dadurch gute Laune. „Celle, was geht? Ihr seid ja zahlreich heute“ - fragt der Frontmann die Celler, während er sich umsieht und feststellt, wie überfüllt die Halle doch ist. Welch eine Ironie! Nichtsdestotrotz geben die Jungs nicht auf und präsentieren sich vom Feinsten. Sowohl der Sound als auch die Lichtanlage kommen supergut an. Nach der ersten Band folgt eine 15-minütige Umbaupause; die bestimmt manchen gelegen kommt. Das erste Opfer unserer Umfrageaktion, Jonas, äußert sich zu dieser Band mit folgendem Satz: „Die Band war viel zu früh dran, aber ansonsten gut.“
Pünktlich um 19:15 Uhr beginnen Athorn mit ihren Klängen, Tönen und Gesängen.

Diese Jungs haben mehr Glück als die vorige; mehr Publikum, das sogar direkt vor der Bühne unter unglaublicher Spannung steht, erwartet sie. Als Belohnung dafür „entertainen“ Athorn die Begeisterten mit ihrem erstklassigen Zusammenspiel von Instrumenten und Gesang. Blitzschnell sammeln sich auch die Headbanger und beginnen den „Nackenknacker“ zu tanzen. Beim genaueren Hinsehen sieht man kleine tanzende Wonneproppen mit riesengroßen Kinderohrenschützern auf der erweiterten Bühne. Die zwei kleinen Kinder sind höchstens zwei Jahre alt. Sind das etwa die Nachwuchsmetaller von heute? Man weiß es nicht – lassen wir uns in den nächsten paar Jahren überraschen. Immerhin kann schon ein Kind von beiden die Pommesgabel richtig anwenden. Nun gibt es wieder die Pullerpause für alle, die ihr Geschäft erledigen müssen – oder auch einfach nur gemütlich mit Freunden ihre Pause verbringen möchten. Um 20:00 Uhr  übernimmt die Metalband Bloodstain das Sagen und zieht die Leute in Massen an. Wilde Pogos füllen die Mitte und verscheuchen die Ängstlichen nach außen. Mit neuen und alten gut performten Songs gewinnen sie immer mehr Publikum. Leuchtende Knicklichter werden vom Frontmann Michael über die gut gelaunte Menge hinweg geworfen und sofort aufgefangen. Einige von ihnen kommen aber direkt in das Gesicht des Sängers zurück. Nicht nur das kleine Präsent sorgt für großen Beifall, sondern auch der Song „Master of Blood“. Die Show endet daraufhin um 20:40 Uhr und erlaubt wieder eine kleine Verschnaufpause. Währenddessen kaufen sich viele Leute Pommes zum Preis von 1,70 Euro oder eine herzhafte Brat/-Currywurst für kleines Geld. Eine Viertelstunde später eröffnet die Melodic Death Metal–Band „Burden of Grief“ das Spiel und gibt die Grundlage für eine extrem gute Atmosphäre. Halle 16 ist richtig voll – dem Anschein nach auch die meisten des Publikums. Die pogende Menge ist mindestens so groß wie die Hälfte der kleinen Halle. Es wird richtig gute Musik präsentiert, welche den Leuten einfach ziemlich gut gefällt. „Seid ihr gut drauf?“, fragt Sänger Mike und bekommt pure Begeisterung als Antwort.

Am Ende wird dringlich nach einer „Zugabe!“ verlangt, doch leider können sie die Spielzeit von 50 Minuten nicht überschreiten, sodass sich die Fans schweren Herzens etwa um 21:45 Uhr von den Melo-Metallern trennen müssen. Aber wozu die Traurigkeit? Man kann ja immer noch in den Pausen eine Autogrammkarte bekommen. „Disillusion“ machen uns als nächstes den Hof. Als Headliner dieses Abends spielen sie eine volle Stunde von 22:00-23:00 Uhr. Wie bei den anderen Bands auch gibt es reichlich Publikum mit zahlreichen Headbangern. Doch die gute Laune der Gäste verfliegt ein wenig; es wird leerer und träger. Enttäuschend ist der Gesang, den man eine Weile überhaupt nicht zu Ohr bekommt. Der Gesichtsausdruck des Sängers lässt allein vermuten, ob er gerade wirklich singt oder grölt. Nicht mal Disillusions progressiver Stil kann die Mengenabnahme verhindern, sodass sich größere Lücken zwischen den Menschen bilden. Trotz dessen haben die Jungs ihr Bestes gegeben und verbleiben in guter Erinnerung. Etwas verspätet betreten „Damnation Defaced“ um 23:25 Uhr die mit Ratzeputz-Werbung bestückte Bühne. Eine gewisse Sache sticht dennoch sofort ins Auge: Wo ist der Bassist? Ein Mysterium, das ungelöst bleibt. Auch hier kommt der Progressive-Death Metal nicht zu kurz. Dieser sorgt für Stimmung und guten Sound, doch das hindert wohl Einige nicht daran, sich von der Menge zu lösen und in die Lounge zu gehen. Die Headbanger bleiben Damnation Defaced aber treue Gefährten und feiern richtig ab. Diese werden aufgefordert, bei einer Wall Of Death ordentlich mitzumischen. Die Leute im Moshpit stürzen massiv aufeinander und lassen sich rumschubsen was das Zeug hält. Nach diesem Gruppenkuscheln folgt das Ende des Death Metals und der Anfang des Metalcores mit „Azera“ zur bald schon wieder frühen Stund. Gewitter, Donner und Blitze erhellen die Halle und schallt kräftig durch die Ohren. Gegröhle und Gebrülle kommen als Nachklang zustande. Leider kann das Publikum dieses Spektakel nicht miterleben, da es fast gar keines gab. Sehr wenige stehen nur noch vor der Bühne. Schade für die Jungs, man hätte ihnen wenigstens eine Chance geben können, sich vor allen mit ihrer Musik zu beweisen. Celle bleibt wohl immer „a sleepy hollow“.
Oder täuschen wir uns da etwa?;-)
Wer noch Lust hat, kann auf der Aftershow-Party den aufregenden Abend  mit den „Singstars of Death“ ausklingen lassen.
Während der Verschnaufpausen haben wir uns überlegt, einige Bandmitglieder nach einer Bewertung zur Organisation und Technik zu bitten. Hier die aussagekräftigen Antworten:

Blood Stain: „ Das Festival ist vernünftig organisiert; es macht sehr viel Spaß und die Technik war auch top. Celle ist sehr cool wegen der unterschiedlichen Altersgruppen. Ändern könnte man aber eines; das nächste Mal könnte man einen Ventilator über der Bühne anbringen, es ist nämlich so heiß.“

Athorn: „Die Organisation ist der Hammer, die Technik und das Catering richtig geil. Die Bühne, der Sound und die Lichtanlage waren gut. Das Personal ist auch echt gut drauf. Aber beim nächsten Mal wäre ein Verstärker mit Fußpedal besser als ohne.“ (lacht)

3rd Grade Burn: „Daumen hoch“

Insgesamt hat sich der erste Besuch auf dem Festival sehr gelohnt. Die Organisation war einwandfrei, die Technik sowie die Künste der Bands an sich waren klasse. Ein dickes Lob auch vom grassyworld.net-Team!
Doch es geht morgen weiter; wir sind schon sehr gespannt auf die nächsten sieben Bands!

 

 

 

Tag 2 (Bericht Bastian, Fotos Jörn):

 

Der erste Tag lag hinter uns. Wir fragten uns: Die bessere oder schlechtere Hälfte? Mit Gorilla Monsoon erwartete uns an diesem zweiten Tag ein in Celle extrem populärer Headliner. Natürlich konnte sich auch das übrige, sehr abwechslungsreiche Lineup um Jack Slater und Sniper als Co-Headliner sehen lassen. Celles Spezialmischung mit Fire in Fairyland, eine Prise Stonerrock mit El Pantano, Schwarz angehauchter Death Metal mit Kadavrik und babylonische Todesklänge mit Nebukadnezar. Der Abend hielt im Übrigen einige positive und negative Überraschungen parat. Für alle, die nicht den ganzen Abend da waren, ihr Gedächtnis noch einmal auffrischen wollen/müssen (des Alkohols wegen) oder sich (Schande auf ihr Haupt) Celles „Platzhirschfestival“ auch zum 5. Jubiläum gänzlich haben entgehen lassen, gibt es wie immer einen Haufen von Fotos – an diesem Abend geschossen von Jörn.

Das Celle Rock City Festival – eine alljährliche Freude, zumal es mit den bereits erwähnten Festivalbändchen einfach ein kleines, aber feines Stück in Richtung Professionalität rutscht, aber vor allem einen tollen Eindruck macht! Ein großes Lob dafür.
Einen per se schlechten Eindruck macht der obligatorische Fressalienstand in diesem Jahr. Die Würste sind fertig gegrillt und gestapelt, werden aufgewärmt, wenn nicht nur „aufgelauwärmt“, die Pommes sind versalzen und pappig. Im letzten Jahr noch zu loben, in diesem Jahr eher zu kritisieren – das geht besser.
Wenigstens das Wetter ist nicht ganz so katastrophal wie im letzten Jahr, was nicht nur uns im Laufe des Abends immer wieder dazu einlädt, sich draußen hinzusetzen. Ob es nur so scheint oder ob tatsächlich an der Aufstellung der Bänke etwas verändert ist, können wir nicht mit ganzer Sicherheit sagen. Aber, damit der aufmerksame Leser nicht denkt, dass grassyworld.net-Team würde bloß auf Bänken sitzend über Lebensmittel grollen, widmen wir uns natürlich auch am Samstag den Bands, von deren Fire in Fairyland die ersten sind.

Der arme Florian, der arme Falk – zwei Tage hintereinander Opener. Haben sie diese undankbare Aufgabe verdient? Wir finden, dass das nicht so ist und sind an diesem Tag umso mehr auf der Seite von Fire in Fairyland. Man richtet sich die Bühne (wieder inklusive Vorbau und toller Lichtanlage) bereits eifrig ein, stellt die „Nennt man die Rotlichter?“-Lichter auf und beginnt prompt mit dem stimmigen Bandintro. Als Sängerin Anna dazustößt, fällt uns der Sound sehr negativ auf. Auch ein Los der ersten Band, Fire in Fairyland ist das Versuchskaninchen des Soundtechnikers – zum Glück haben die Versuche rasch einen guten Ausgang, der Sound wird rasch besser (die Band hat auch überlebt). Die Spielfreude, die Fire in Fairyland ausdrücken, ist bemerkenswert. Frontfrau Anna ist offensichtlich auch Frontsau und gibt mächtig Gas, doch auch die anderen Bandmitglieder geben alles an ihren Instrumenten, um die halbgefüllte Halle 16 bereits zu früher Stunde zum Abgehen zu animieren. Leider steht das Publikum erst arg scheu im hinteren Bereich, wagt sich nach einigen Aufforderungen nach vorne an die Bühne. Der Wunsch nach Eskalation („nicht nur von Hannes“) bleibt aber unerfüllt. Zum Ende der halbstündigen Spielzeit dünnt es sich aber wieder merklich aus.

Wir verlassen die Halle, um einen Schluck zu trinken (Astra 2€, Einbecker dank Spezialaktion nur 1,50€, Ratzeputz und 108er gibt’s für 1€ fast geschenkt). Wir schnappen noch einiges an Kommentaren zu Fire in Fairyland auf, die von Kritik („Die hüpft zu viel rum!“) bis zu lustigen Witzchen („Ob der richtige Bassist wohl krank ist?“ „Nein, der war nur beim Friseur!“) reicht. Außerdem verkündet ein grassyworld.net Mitglied seine spezielle Theorie, was die nächste Band betrifft: Kein wirklicher Myspace oder Webauftritt, Stonerrock aus unserer Region, „El Pantano“ nachgeschlagen, „Sumpf“ als Antwort gefunden – da liegt es nah, dass wir eine geschickt eingefädelte Täuschung vermuten und innerlich gespannt sind, ob uns wirklich „Swamp“ gleich was auf die Ohren geben. Und es sollte so kommen: In neuer Besetzung (Sängerin bleibt Anja, zwei Gitarristen, einem Bassisten und Drummer) und – so haben wir das verstanden – unter neuem Namen gibt es den gewohnt guten Stonerrock. Die Songauswahl beinhaltet die sumpfigen Klassiker ebenso wie neue Songs und ist ein Ohrenschmaus. Der Sound ist einen Tick besser als beim Opener, auch wenn der Bass von Tobias, den wir sehr laut gewohnt sind, anfangs lauter gehört hätte, was wiederum den harten „Stoner-“Kern unterstrichen hätte. Effekttechnisch ist der Gesang zu erwähnen. Ein herrlich irritierender Hall verstärkte Anjas ohnehin sehr gute Stimme zeitweise. Das Publikum ist leider trotzdem scheu und nickt maximal sanft im Takt. Andererseits hat die Musik auch einen eher entspannenden und psychedelischen als aufwühlenden und  aggressiven Charakter, zumal die im Midtempo angesiedelten Songs ohnehin den Geschwindigkeitsfanatikern zu langsam zum Headbangen wären. Die kurzen, aber „lauten“ Zugaberufe am Ende sind nicht mit Erfolg gesegnet – nach einer halben Stunde ist Schluss.

Kommentare wie „Alles, wo Anja dabei ist, ist geil!“ und „Die sind echt geil!“ (Babba), bestätigen unseren Eindruck. Und lassen uns hoffen, dass das Celler Publikum noch aufwacht: Vielleicht ist eine Prise Black Metal jetzt das Richtige? Kadavrik up next.
Die Band besteht seit 2004 und tritt heute mit der Besetzung Niklas (Gesang, Gitarre), Oliver (Bass), Chris (Gitarre), Frank (Drumset) und Marcel (Keyboard) auf. Es ist voller als bei den beiden ersten Bands und die bösen zeitweise an schwarzmetallischen, zeitweise an (Melodic-) Death Metal erinnernden Klänge resultieren in ersten Headbangern. Uns fällt besonders der sehr gute Bassist auf. Insgesamt wirkt die Band, obwohl sie ja durchaus schon viele Jahre besteht vom äußeren Eindruck her sowohl recht jung und unverbraucht, als auch sehr professionell. Ein Backdrop mit dem Bandlogo ziert die CD-Kaserne, die Band trägt beinahe Einheitskleidung. Die schnellen Songs der Bands beinhalten auch langsamere Einlagen. Ein Song erinnerte uns von Stil her sogar an Equilibrium.

Nach Kadavrik gilt es wieder, die Umbaupause zu überbrücken, während der sich schon einige einen Platz vorne bei Jack Slater sichern. Die vier durchaus bekannten „Tech-Deather“ sind als nächstes an der Reihe. Uns tönt, als wir dazustoßen, eine Woge aus tiefstem, deutschen (!) Gegrowle entgehen. Wieder fällt uns auf, dass es voller ist als noch bei Kadavrik zuvor, es gibt auch noch mehr Headbanger. Während des Gigs der Kölner stoßen sogar immer mehr Besucher dazu und gehen mächtig ab. Frontmann Horn fragt in die Runde „Was wir denn für ein komisches Go-Go-Ding vor der Bühne hätten?“ und stellt fest, dass der Bühnenaufbau, über den er sich eben noch gewundert hat, ein tolles Mittel für die Bühnenshow ist. Während dieser also mächtig herumschreit und nebenbei Werbung für das neue Album der Band macht („Schaut's euch an auf Youtube oder Myspace oder halt Rapidshare!“), läuft vielen Musikern im Publikum ein langer, zäher Sabberfaden aus dem Mund, ob der technischen Leistung, die die Jungs hier vollbringen. Den Unwissenden sei gesagt, dass Technical Death Metal am ehesten als  Lärm auf höchstem Niveau zu bezeichnen ist. Die Soli sind kaum zählbar, Melodie und Rhythmus oft derart anspruchsvoll, dass das Nachspielen bereits auf einem niedrigen Tempo unmöglich erscheint. Jedermanns Sache ist das nicht, aber vielen Cellern hat es gefallen und das zählt.

 

 

Gorilla Monsoon, Gorilla Monsoon, Gorilla Monsoon – allein der Name ruft schon eine Assoziation hervor, wenn man bereits früher einmal von der Band live umgewalzt wurde. Die Doom-/Stonermetal-Promenadenmischung lässt sich metaphorisch als einziger ultraharter Schlag in das Gesicht bezeichnen. Zwar waren sie schon häufiger zu Gast in Celle, aber diesmal ziehen sie als Headliner des Jubiläumsfestivals besonders viel Publikum an. Die Halle ist bei Gorilla Monsoon so voll wie bei keiner anderen Band des Festivals. Sänger Jack Sabbath hat während des Sets die meiste Zeit die Augen geschlossen. Das haben wir anders in Erinnerung, aber es bildet einen herrlichen Kontrast zum gelegentlichen „Erwachen“ und Posen auf der Bühne. Bereits beim Opener „Black Angel Prophecy“ zeigt sich, dass der Sound stimmt, „Damage King“ und „Night Of The Wolverine“ wecken dann die letzten Schlafmützen auf. Es wird geheadbangt und ein Pit bildet sich hinter dem Bühnenvorbau. Zwischen den beiden Krachern „50$ Whore“ und „Death Revolution“, folgt ein Song, den Jack Sabbath als Liebeslied bezeichnet. Dieser macht während des Auftritts auch häufiger Bemerkungen á la „Erstens *Jack furzt ins Mikro*, Zweitens *Jack macht eine obszöne Handbewegung* und drittens: Ihr könnt mir gar nichts, ich bin aus dem Osten! *Jack zeigt den Mittelfinger*“ Besagtes Liebeslied ist im Übrigen der einzige Song, den wir nicht namentlich erkannt haben – vielleicht ein neuer Song? „My Way“ als Hymne auf die Individualität widmet der Frontmann jemandem, um anschließend die inoffizielle Bandhymnen zu spielen: „Codeine Commander“ und „Born to Lose“ sind aber auch zwei Brocken, an denen man nicht vorbei kommt. Als anschließende Zugaben spielt man „Law 'n' Order“ - zur Abwechslung springt Mutz von Drone zwischendurch ans Mikro und grölt den Refrain – und „Extermination's Hammer“. Dann ist es auch schon wieder vorbei. Schade und – bis zum nächsten Mal.

In der anschließenden Pause bereiten wir uns mental auf Sniper vor, als und Gorilla Monsoon über den Weg laufen und wir spontan von Sänger Jack Sabbath ein Kommentar zum diesjährigen CRC erhalten: „Die Anne (Anm. d. Red.:  Eine der Organisatoren des Festivals) kenne ich jetzt schon lange und die macht das, die macht das alles richtig!“
Mit Sniper hat man etwas gebucht, was in Celle auch immer ankommt – ein Thrash/Death Metalmix, wie in Sniper präsentieren. Nur zu dritt wirkt das dichte Gewebe aus Sound, das uns hier aufgetischt wird umso beeindruckender. Zwar ist es in Halle 16 wieder viel leerer, aber das ist nach dem anstrengenden Auftritt von Gorilla Monsoon verständlich. Schade nur, dass die Band an sich sehr professionell ist und nun niemand da, der das zu würdigen weiß – ihr riesiger Backdrop sieht in der Halle auch etwas verloren aus. Aber Sniper lassen sich nicht entmutigen  und fordern sogar eine Wall Of Death, an der nur vier Leute teilnehmen sollen. Nachdem diese auserwählten sich auf ihre Position geben, wird schnell deutlich, dass sie vermutlich doch Unterstützung aus den Reihen der übrigen Metaller in Reichweite erhalten. Dann beginnt auch schon der Song mit einer gelungenen und, prozentual am Publikum gemessen, „riesigen“ Wall Of Death. So macht das den Cellern Spaß. Kommt doch noch einmal wieder, Sniper, dann gibt’s mehr Publikum für euch!

Die ewigen Letzten (es muss ein Fluch sein) folgen: Nebukadnezar diesmal nicht mit den gewohnten Bannern, dem Gong und, was uns am meisten irritiert, ohne die gewohnten Worte „Seid ihr bereit für Babylon?“, die erst nach dem ersten Song folgen. Trotzdem (oder vielleicht deswegen?) ist es voller als zuvor. Es gibt nur noch einzelne Headbanger – schließlich sind Celler gewohnheitsmäßig um diese späte Stunde (es ist kurz nach Mitternacht) schon im Bett, da kann man keine Höchstleistungen mehr erwarten. Der Sound von Nebukadnezar ist an diesem Abend „voller“ als sonst, aber auch schwammiger. Alles in allem war der Auftritt aber keine Glanzleistung. Gewohntes wurde aufgewärmt, ein unangenehmes Fiepen nervte über relativ lange Zeit und ein Besucher zeigte dem Gitarristen Timo fast ununterbrochen den Mittelfinger (was in einer unangenehmen Situation resultierte). Vielleicht knüpft ihr beim nächsten Mal an eure früheren Auftritte an, Nebukadnezar!

 

Zum Abschluss des Hauptevents haben wir noch einmal mit der CRC Organisation gesprochen und gefragt, wie sie das fünfte Celle Rock City einordnen: „Das CRC war ein entspanntes schönes Festival mit coolen Leuten – leider davon etwas zu wenige.“ Und wir würden das prinzipiell genau so sehen: wären nur mehr Besucher da gewesen...
Andreas, unser letztes Interviewopfer sagt hingegen: „Das war alles Krach – außer Swamp, Fire in Fairyland und Gorilla Monsoon, alle anderen Bands sind ein musikalischer Epic Fail gewesen.“ Wir sehen das mit einem Augenzwinkern und freuen uns bereits jetzt auf das nächste CRC - es kann einfach nicht schnell genug gehen!

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