Ein Interview mit Hörflug

Interview mit Hörflug


Die übliche erste Frage: Wer bist Du überhaupt und was machst du für Musik?


- Also ich bin Hörflug, oder auch Aaron, 20 Jahre alt und habe Celle nun für ein Studium der Volkswirtschaft verlassen und wohne in Magdeburg. Während die Meisten meine Musik wohl in die Kategorie Rap einordnen würden, fällt es mir selbst schwerer mich einem Genre zuordnen zu lassen. Ich möchte nicht gerne in Schubladen gesteckt werden.
Wenn mein Produzent, Jonas, und ich unsere Musik machen und gefragt werden was das überhaupt für Musik sei, entgegnen wir „worauf wir Lust haben“.  Vielleicht irgendwas zwischen Rap und Pop..


Was bedeutet es, wenn du sagst ihr macht zusammen Musik?


- Dann sieht das Ganze so aus, dass ich die Texte schreibe und ihnen meine Stimme verleihe, während Jonas vorwiegend für die Instrumentale zuständig ist. Er nimmt mich auf und ist quasi der Mann hinter den Knöpfen am Computer, von denen ich keine Ahnung habe. Außerdem mixt und mastered er das Ganze dann noch. Er hat also den wesentlich zeitaufwändigeren Part von uns.

In deiner Facebook-Info steht, Hörflug sei dein neues Projekt. Daraus schließe ich, dass es schonmal ein anderes gab. Wann hast du deine ersten Aufnahmen gemacht und was hat Dich bewegt mit einem neuen Projekt zu beginnen? Was hat sich in dieser Zeit entwickelt und verändert?


- Meine erste Aufnahme habe ich vor ca. 3 Jahren gehabt und hing mit meinem alten Projekt zusammen. Ich hatte einen anderen Künstlernamen und auch einige Aufnahmen, die thematisch aber eher in den Liebesbereich fallen .. Irgendwann kam dann die Lust auf was Neues, auf etwas, mit dem ich mich besser identifizieren konnte, etwas Frisches und Außergewöhnliches. Außerdem war ich überhaupt nicht mehr mit der Soundqualität meiner damaligen Aufnahmen zufrieden.
Ich wusste, dass, wenn ich mit der Musik weitermachen will , etwas Neues und Besseres hermusste.  Dann lernet ich Jonas als Dj auf einer Party kennen und sprach ihn an. Nach dem ersten Treffen entschieden wir uns dazu, das Projekt zusammen zu starten. Das war ungefähr vor einem Jahr. Nach 10, vielleicht 11 Monaten waren wir dann endlich mit dem Sound zufrieden und entschieden uns im November für eine erste Veröffentlichung.
 
Auch wenn Du dich nicht in die HipHop Szene einstufst, wie schätzt du die derzeitige Szene in Celle ein, gibt es überhaupt eine? Was nimmst du als Insider von Ihr wahr? Zu welchen Lokalmusikern pflegst du Kontakt?


- Also ich habe auf jeden Fall zu einigen Künstlern hier Kontakt und in der Vergangenheit auch schon mit beispielsweise Cert was zusammen gemacht und aufgenommen. Musikalisch gesehen passt es aber einfach nicht.


Wie war überhaupt dein alter Künstlername?


- Den möchte ich hier nicht nennen.. Es gibt im Internet einfach noch zu viele Sachen, wie Videos, mit denen ich jetzt nicht mehr in Verbindung gebracht werden möchte. Weder gefallen mir die alten Sachen noch, noch kann ich mich damit identifizieren. Deshalb würde ich das gerne hinter mir lassen.

Und wie sieht’s in Magdeburg  aus? Konntest du schon neue Kontakte zu anderen Musikern knüpfen? 


- Durch einen Zufall, rappers.in, eine Internetplattform für Newcomer auf der man seine Songs hochladen und von anderen Mitgliedern bewerten lassen kann,  sprach mich ein anderer User positiv auf meine Songs an und kam sogar auch aus Magdeburg. Wir tauschen uns regelmäßig aus.

Wenn Du deine Texte schreibst, wer oder was inspiriert Dich? Gibt es Rituale, zum Beispiel, dass du nur am Abend schreibst?


- (lacht) Wenn ich am Abend zuvor richtig gefeiert habe und wie üblich mit dem Kater am nächsten Morgen nicht aus dem Bett komme, greife ich meistens zuerst zum Notebook. Wenn dann noch ein Instrumental bearbeitet werden will, fällt mir einfach das Meiste dazu ein. Also nicht, dass ich meine Texte nur betrunken schreibe, aber verkatert im Bett habe ich irgendwie den besten Schreibfluss..
Viele Ideen kommen mir auch während der Prüfungszeiten, was natürlich ziemlich ungünstig ist. Pro Text brauche ich ca. 2 Stunden, während einer Lernphase ist es mit neuen Texten also eher schwierig.


Wie ist es da im musikalischen Bereich? Dein Sound zeigt zum Rinen den „typischen“ HipHop Klang und zum Anderen Einflüsse aus dem Elektro.


-Also etwas komplett Neues ist dieser Mix ja nicht. Er ist einfach bei unseren Vorstellungen zu etwas Frischem entstanden. Jonas ist ja auch Elektro-Dj und das Ergebnis ist die Kombination aus uns beiden.Ob das in Zukunft weiterhin so bleibt, kann ich nicht sagen, aber erstmal ist es das, was uns am Besten gefällt.


Deine EP trägt den Namen „Eskalavolution“. Was ist die Geschichte dahinter? Man könnte denken, dass es mit der Abiturfahrt nach Kroatien im letzten Jahr zusammenhängt? Was können wir als Hörer erwarten?


- Darauf haben mich tatsächlich viele angesprochen, kann dies aber nur verneinen. Die Idee ist schon ziemlich alt und bestimmt schon irgendwann vor ca. 1 ½ Jahren entstanden. Mir gefällt das Wortspiel Eskalation und Revolution, nun galt es eben noch das Ganze thematisch umzusetzen. Ich würde gerne eine spektakulärere Geschichte dazu erzählen, aber die gibt es leider nicht.
Eskalavolution kann man thematisch so zusammenfassen, dass es einen Protagonisten gibt, der sich gegen aktuelle Trends sträubt und gerne gegen den Strom schwimmen will. Außerdem geht es um Abschied und Neuanfänge. 0-8-15-Songs wie „meine Freundin hat mich verlassen, ich bin so traurig“ wird man auf der Scheibe nicht finden. Im Endeffekt muss sich jeder Hörer sein eigenes Bild schaffen.


Was bei deinen Songs vor allem ins „Ohr sticht“ ist die Qualität der Aufnahmen. Steckt da tatsächlich nur Jonas hinter, habt ihr besonderes Equipment?


- Während meines alten Projektes habe ich mit einem Freund zusammen angefangen, bei dem ich heute immernoch meine Aufnahmen mache. Wir haben uns für – kurze Pause – zuviel Geld unten im Keller eingerichtet. Zuerst haben wir den Raum mit Spanplatten abgedichtet und dann mit Noppenschaum ausgestattet.


Diese Eierschalen, ja?


Nein! Keine Eierschalen! Eierschalen sind scheiße! Ganz wichtig! Wir hättens gerne mit Eierschalen gemacht, das wäre im wesentlichen günstiger gewesen.
Außerdem haben wir einen leistungsfähigen Notebook, aber ansonsten wirklich  nichts Großes. Hier muss ich Jonas nochmal hervorheben, der sich wirklich lange mit den Programmen auseinandergesetzt hat..Es ist zwar noch nicht perfekt, aber wir sind zufrieden.
Viele aus Celle nehmen auch im richtigen Tonstudio auf, Qualitätsmäßig macht das in unseren Augen aber keinen großen Unterschied mehr.


Wie und wo kann man deine Scheibe denn überhaupt kaufen? Und was muss man bezahlen?


- Offiziell darf ich Sie nicht verkaufen. Es ist ein Geschenk von mir und Ihr bezahlt die Versandkosten. Ansonsten kann man Sie sich auch auf meiner Facebook Seite downloaden.
Für eine greifbare Variante kann man mich gerne anschreiben und kann mit ungefähr 6 Euro rechnen. Natürlich gibt es auf der EP auch noch einige Bonus-Tracks, damit man auch einen kleinen Vorteil hat.
Mir ist es nicht wichtig, damit Geld zu machen, sondern dass die Musik sich verbreitet und rumkommt. Wen wir überhaupt damit erreichen können und wievielen die Songs gefallen.


Im letzten Jahr hast du am Hermann-Billung-Gymnasium hier in Celle deinen Abschluss gemacht und studierst nun in Magdeburg. Braucht Rap doch Abitur?


- Äh. Nö. Äh. Nö. Also. Nö.
Es kommt auf die Zusatzreferenzen an. Wer schlauen Rap mit gutem Inhalt hören will, dann ist das wahrscheinlich nicht verkehrt. Gleichzeitig ist dies aber auch einer der Hauptgründe aus dem wir nicht in die Rap Ecke gedrängt werden möchten.  Jeder Depp kann Haus auf Maus reimen, deswegen braucht Rap natürlich kein Abitur, aber ja – schädlich ist es wahrscheinlich nicht. (lacht)


Was sind Hörflugs Pläne für die Zukunft? Ein Studium beansprucht viel Zeit, war dies schon die erste und letzte Erscheinung? Was sind deine Ziele?


- Wie‘s weitergeht wissen wir im Moment selbst noch nicht genau. Erst einmal heißt es abwarten wie die Musik ankommt. Wir wollen aber auf jeden Fall weitermachen. Viele Ideen und musikalische Ansätze warten darauf, ausprobiert zu werden. Dieses Jahr geht es mit Hörflug auf jeden Fall weiter!

 


Grassyworld.net sagt „Danke“ an Hörflug für dieses Interview!

Kommentare

vielleicht könntet ihr in euren artikeln in zukunft noch die wichtigsten links zu den künstlern einbauen?!

ansonsten schönes interview.

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