Hypest Hype: Skrillex in Hamburg

Es kommt die Zeit, da spaltet sich ein Musikgenre und ein Streit zwischen Old- und Newschool entbrennt. Auch im Dubstep ist es nicht anders. Da passt es wunderbar, dass wir uns einen der umstrittensten Künstler im Genre angesehen haben: Skrillex – von seinen Fans vergöttert, gleichzeitig von vielen gehasst für das, was er mit Dubstep macht. So gibt es, wie könnte es anders sein, Facebook-Gruppen wie „Skrillex ruined Dubstep“ (in Anlehnung an Borgores EPs „Borgore Ruined Dubstep“). Skrillexproduziert Dubstep, der von der Popkultur gefeiert wird, das ist klar. Aber muss er deshalb schlecht sein?

Im Rahmen der Jägermeister Wirthshaus Tour 2011 haben wir ihn und seinen Support, The Toxic Avenger sowie Davide und Kilian, zu sehen bekommen. Im Folgenden halten wir unsere Eindrücke fest. Die Fotos wurden uns vom Veranstalter zur Verfügung gestellt und sind von Sebastian Gabsch.

Bereits im Vorfeld gibt es nicht nur bei uns große Aufregung um das Konzert im Gebäude der Galopprennbahn in Hamburg-Horn. Wer Eintrittskarten kaufen möchte, müht sich nämlich vergeblich. Einlass findet nur über eine Gästeliste statt. Nur circa 500 glückliche Gewinner bekommen an diesem Abend ihr Idol zu sehen. Interessant ist auch das Publikum selbst: Vom typischen Inkognito-Gänger über den Rastamann bis zum Metaller sind alle Subgenres anwesend.

Ab 22:00 Uhr dürfen wir als Presse über den Hintereingang (eine Rumpelkammer) den Club betreten. Dieser ist entsprechend der Wirtshausthematik sehr rustikal: Holzpaneele, Kuckucksuhren und ein allgegenwärtiges Hirschgeweih – klar Jägermeister muss hier omnipräsent sein. Insgesamt begeistert uns die Reiterkneipe anfangs durch einen sympathisch-familiäres Flair aus. Von der Größe liegt die Rennbahn zwischen dem Hauptraum des Rio’s und der halben Halle 16 der CD-Kaserne. Es lässt sich erahnen, welches Problem sich später daraus ergeben wird…

Die ersten beiden DJs, Davide und Kilian, legen ordentlichen House/Minimal auf und animieren bereits viele zum entspannten Tanzen. Das ist auch bis etwa 22:30 Uhr möglich, denn es ist bis dann nur gut halb voll, da der Einlass über die Gästeliste lange dauert. Von 22:00 – 23:00 Uhr werden wir insgesamt sehr gut unterhalten, stellen aber gegen Ende des Sets fest, dass wir unsere Plätze in der ersten Reihe besser nicht mehr verlassen. Bereits jetzt herrscht ein unangenehmer Druck von hinten.


Mit The Toxic Avenger bekommen wir eine Elektro-Größe zu sehen, die wir nicht auf dem Schirm hatten – und offenbar der Rest des Publikums auch nicht. Es wird zwar mitgemacht, aber nur sehr, sehr zögerlich. Wir finden den Elektro-Rock (?) der Franzosen mit Live Drums und Gitarre insgesamt nicht mehr als ganz nett. Lediglich die zwei Dubstepsongs in der Mitte des Sets von 23:00 – 00:00 Uhr reißen uns und die Menge wirklich mit. Vielleicht müssen wir uns The Toxic Avenger mit etwas Abstand noch einmal anhören.

Vor Skrillex sind wir zugegebenermaßen aufgeregt: Ist der Hype um ihn berechtigt? Nach einer halben Stunde Umbau betritt der kleine Paradiesvogel Skrillex, bürgerlich Sonny Moore, die Bühne und haut gleich ordentlich rein. Der Bass bläst, mehr muss man dazu nicht sagen. Samples aus seinem erfolgreichsten Song „Scary Monsters And Nice Sprites“ werden im Minutentakt eingespielt – dabei ist das nicht einmal nötig. Das Publikum kann jeden einzelnen Song mitsingen (wir fühlen uns dabei etwas fehl am Platz). Spaß macht es anfangs aber nicht unbedingt: Während man zwar abgehen möchte, kann man es oft nicht wirklich, weil sich immer mehr Menschen in die ersten Reihen drängeln. Mit der zunehmenden Erschöpfung des Publikums wird es jedoch besser und wir finden einen sicheren Ort, an dem wir „in Ruhe“ abgehen können. Skrillex selbst tanzt auf der Bühne herum, raucht unentwegt (noch so ein Punkt, auf dem wir herumreiten könnten) und spricht mit dem Publikum. Wir verstehen dabei meistens gar nichts, weil es einfach zu laut ist.

Auch einige fremde Songs werden gesamplet und fast immer geschickt eingebunden. Wir hören Doctor P deutlich heraus und meinen, auch eine Prise Flux Pavilion zu schmecken. Die Übergänge von Song zu Song muss der gute Skrillex aber noch üben – das haben wir schon besser gehört. Die Leute stören sich aber nicht daran: Sie feiern ihr Idol tanzend, hüpfend oder gar im Moshpit. Am Ende des eineinhalbstündigen Auftritts (KEINE ZUGABE) sind wir durchnässt von Schweiß, hauptsächlich fremdem – Pfui!

Die Aftershow mit den beiden DJs, die schon von 22:00 bis 23:00 Uhr auflegen durften, lassen wir sausen. Dafür sind wir zu müde und zu geschafft. Skrillex war super und es hat sich gelohnt, nach Hamburg zu fahren. Mit Sicherheit hat er auch nicht den Dubstep zerstört. Aber es kommt ein „aber“.

Vieles macht er richtig, aber er ist kein Übermensch und der Hype um ihn ist halt ein Hype. Gänzlich überzeugen konnte er uns nicht, aber er hat uns gut gefallen und seine Musik ist offensichtlich für diejenigen die mit Szenegrößen wie Rusko nicht viel anfangen können. Durch die trancigen Passagen in den Liedern wird diese Mainstreamorientierung deutlich sichtbar, wo sich eingefleischte Dubstepper komisch anschauen, feiern die Zuschauer auch diese ruhigen Momente. Musik entwickelt sich dauernd und wenn dies als eine Art von Dubstep sehr viele Leute begeistert, könnte es entweder eine komplette Entwicklung der Dubstep Szene geben, oder die Zuschauer entwickeln sich und finden durch Künstler wieSkrillex einen Einstieg in das eigentliche Genre.

 

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