Ich bin taub – ich will Krach Vol. 4

Am Samstag, dem 09.10., wurde zum vierten Mal die Herbstparty des Celle Rock City Festivals unter dem Motto „Ich bin taub, ich will Krach“ veranstaltet. Warum das Ganze so gut war? Ganz einfach – lesen!

(Fotos von Jörn gibt's hier!)

Als wir um kurz nach 19:00 Uhr an der CD-Kaserne eintreffen, hat bereits eine Warteschlange von etwa 20 Personen vor der Kasse gebildet, die ungeduldig darauf warten, endlich eingelassen zu werden. Aber die Kontrolle der Personalausweise und das Befestigen der Plastikbändchen dauert schließlich eine Weile. Und so reihen auch wir uns ein und betreten nach etwa fünf Minuten Wartezeit die CD-Kaserne, wo wir zuerst einen einen Blick in Halle 16 werfen. Hier hängt ein Backdrop vor dem Schlagzeug (wie auch alle anderen Backdrops an diesem Abend) vom Butterfly Projekt, die heute den Anfang machen werden – aber nicht bevor wir uns noch ein wenig hinsetzen: Das lauschige „virtuelle“ Kaminfeuer lädt auch dazu ein, denn draußen ist es bereits schneidend kalt.

Bei den ersten Klängen vom Butterfly Projekt sind wir natürlich sofort am Start und lauschen den Jungs, die wir schon eine Weile nicht mehr gesehen haben. Musikalisch hat sich nicht allzu viel geändert, sodass eine bunte Mischung aus tanzbarem Rock und Balladen das Publikum beschallt. Selbiges hält anfangs respektvoll Abstand von der Bühne und wagt sich erst im späteren Verlauf zum Mitmachen nach vorne. Der Sound ist anfangs noch ein wenig unausgewogen, aber wir haben das Gefühl, dass der Klang gegen Ende des sehr kurzen Sets merklich besser ist.

„Rockout lösen sich auf und spielen heute zum letzten Mal.“, hieß es. Das beschäftigte uns erstmal eine Weile: Fast drei Jahre gab es die Truppe nun, die sich von Auftritt zu Auftritt gesteigert hat und sich mit ihrem Deutsch-Rock einen festen Platz in der Celler Bandszene erspielt hat. Und auch bei diesem Auftritt ist eine Steigerung erkennbar: Nie sind sie druckvoller und mitreißender gewesen. Das Publikum fiebert mit und lässt den letzten Auftritt der Jungs zu einem regelrechten Fest werden – vielleicht das Highlight an diesem Abend?

Mit Battue tritt der für Musikredakteure zwar ärgerlichste aber schönste Fall ein. Man hört sich die Band vorab auf Myspace sorgfältig an, legt sich die passenden, negativen Worte schon einmal zurecht, überlegt sich lustige, vielleicht zynische Kommentare und versucht die Kritik nicht zu harsch wirken zu lassen: Denn begeistert sind wir nicht, von dem Death/Thrash Metal-Mix, den wir vorab zu hören bekommen. Doch dann kommt alles anders. Battue hauen einfach rein, begeistern nicht nur das Publikum, sondern auch uns. Wir sind begeistert vom Gesang, der einfach live zehnmal besser klingt als aus der Konserve, wir sind auch begeistert vom krassen, druckvollen Sound, der unseren Ohren mehr als schmeichelt! Dass das Publikum dementsprechend abgeht, ist nur verständlich. Sowohl Headbanger als auch Mosh-Fans kommen voll auf ihre Kosten. Klasse, große Klasse!

Ein Celler Problem ist, dass nach einer guten Band, keiner aus dem Publikum mehr die Kraft für ein weiteres Highlight zu haben scheint. Zudem sind Morbid Tales mit ihrem knüffeligen, aber melodischen Thrash Metal vielleicht eine Spur zu ruppig, um nach den „Massengeschmack-kompatibleren“ Battue überzeugen zu können? Die sechsköpfige Band in der Besetzung von Gesang, zwei Gitarren, Bass, Keyboard und Drums kann dennoch einige Leute zum ausgelassenen Headbangen animieren. Wir sind uns nicht ganz sicher, wie wir die Band bewerten sollen und würden uns für das nächste Mal eine vollere Halle 16 wünschen.

Als abschließende Krönung geben sich Anthropophagist heute ihren Einstand. Die Gruppe besteht aus Sänger Jonas, Gitarrist Johannes, Bassist Robin (auch Backgroundvocals) und Drummer Björn. Halle 16 ist gefüllt wie den ganzen Abend noch nicht. Scheinbar erwartet auch das Publikum großes von der jungen Technical Death Metal Band. Ihr Name ist übrigens die wohl eindeutigste Anlehnung an die Band Necrophagist, die möglich ist – nur so nebenbei für die Unwissenden. Nach einigem, sehr routiniert wirkenden, Einspielen geht es auch schon los und Anthropophagist nehmen uns mit auf eine Reise in die Abgründe menschlichen Daseins, denn davon handeln ihre Songs. Technisch brilliante Soli wechseln sich mit Mosh- oder Headbang-Passagen, auch wenn einige Songs insgesamt noch etwas mehr Basis vertragen könnten, an der man sich orientieren kann. Das mag aber auch daran liegen, dass den Jungs definitiv ein zweiter Gitarrist fehlt. Wir sind dennoch überrascht vom Debüt und freuen uns auf weitere Auftritte.

Übrigens: Wer die Jungs unterstützen möchte, gibt seine Stimme auf http://www.de.metalfest.eu/votes.html  für Anthropophagist ab. Dann haben sie die Chance auf dem Metalfest in Dessau zu spielen.

Insgesamt war „Ich bin taub, ich will Krach 4“ eine der bisher besten CRC-Veranstaltungen, die wir besucht haben. Ein straffer Zeitplan, abwechslungsreiche Bands und viele gutgelaunte Besucher machten es uns leicht, uns wohlzufühlen und Spaß zu haben! Auch das Abmischen hat uns so gut wie nie zuvor gefallen. Grandios!

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