Interview: Discord

Es ist schon etwas her, dass wir uns am 28.04.08, einem sonnigen Sonntag Nachmittag, mit Discord vor ihrem Proberaum in Hermannsburg treffen. Die 4-köpfige Band probt in ehemaligen Lagerräumlichkeiten eines Möbelhauses. Zusammen mit einer weiteren Band und einem Schlagzeug Lehrer nutzt die Band den kühlen Raum, der mit Manowar, Los Fastidios und einem zerstochenen Korn-Poster geschmückt ist. In einer Ecke, zwischen Bierflaschen und Mülltüten ist eine kuschelige Sitzecke eingerichtet, zu der uns die Band bittet. Das daraufhin entstandene Interview möchten wir euch nun nicht länger vorenthalten.

Joschka Wohlgemuth, Bass, 21

Christian Oehmichen, Gitarre/Gesang, 23

Kilian Röbling, Drums, 29

Marcus Buhr, 33

 

grassyworld.net: Wie, wann und warum habt ihr euch gegründet?

Oehmi: Also ich bin nach Minerva hergekommen, das war im Oktober das letzte Konzert.

Kilian: Dann November 2006.

 

grassyworld.net: Und warum?

von allen Seiten: Um Musik zu machen.

 

grassyworld.net: Und wie habt ihr euch kennen gelernt?

Buhrchen: Also Kilian und ich kennen uns schon Jahre lang, wir machen schon Jahre Musik. Wir haben einen Proberaum gesucht; den haben wir hier gefunden. Dann kamen die Leute dazu…Oehmi war ein Glücksgriff.

Kilian: Ja mit Oehmi hab ich mal zusammen gespielt, ein halbes Jahr lang, und mit Buhrchen schon seit dem ich 14 bin, glaub ich. Also wir haben auch schon eine Band gehabt, …

 

grassyworld.net: …und Joschi kam später dazu?

Kilian: Ja genau, der kam dieses Jahr im Januar.

 

grassyworld.net: Und habt ihr davor ohne Bass gespielt?

Kilian: Doch auch, der ist aber dieses Jahr zum studieren gegangen nach Rostock, das war Kord, letztes Jahr im Dezember.

Buhrchen: Der Kord... hat aber nichts mit dem Namen zu tun.

Joschi: Beim ersten Gig hat er noch Bass gespielt. Ja und ich kannte Kilian von…

Kilian: ... Amply Fire. Da haben wir einmal zusammen geprobt, als die mal einen neuen Schlagzeuger gesucht haben. Dann hat sich das mit Amply Fire erledigt und so kams dann dazu.

grassyworld.net: Und woher stammt der Name, wie kam das?

Kilian: Den hat Buhrchi erfunden.

Buhrchen: Ach da könnt ihr was zu erzählen.

Oehmi: Buhrchen hat einfach was mit „Dis“ gesucht.

Buhrchen: Nee.

Oehmi: Nee? Also ich glaub, du hast was mit Dis gesucht; einfach auch weil wir auf Dis spielen. Irgendwie so…

Kilian: Irgendwie so war das und „cord“ weil unser Bassist Kord hieß. Da haben wir so ein bisschen rumgealbert…

Oehmi: …und da haben wir gesagt „wir heißen Kord“.

Kilian: Schließlich haben wir dann wirklich mal im Lexikon geguckt, ob es „Discord“ gibt und was das heißt. Es heißt halt „Zerwürfnis, Zwiespalt, Unfriede“.

Joschi: Passt ganz gut: Erstens auf die Mukke und zweitens generell. Steht auch in diesem komischen Text, den wir da geschrieben haben, dass es hier immer Konflikte gibt, weil wir alle einen etwas anderen Musikgeschmack haben. Unsere ganze Mukke ist irgendwie ein Kompromiss.

Oehmi: Naja weniger Kompromiss, mehr so ein Kampf.

Kilian: Also von unserer Seite her auf jeden Fall demokratisch, aber die Musik, die Stile, da unterzubringen. Ich hör hauptsächlich Metal, Hardcore, Punk und…

Oehmi: Na gut - Metal, Hardcore, Punk damit können wa alle…

Kilian: Naja jain, aber vom Einfluss her, was das Spielen angeht, bist du vom Gitarrentechnischen her Metal, daher der Metal-Part in unserer Band, würde ich jetzt mal sagen. Burchi ist da eigentlich mehr so der Hardcore/Punk Gitarrist.

Oehmi: Aber der macht auch diese Metalriffs…

Kilian: …Mittlerweile…

Buhrchen: …ja, mittlerweile…

Joschi: …mittlerweile…

Oehmi: …mittlerweile.

Joschi: Es ist dann immer so, dass irgendwer ein Riff total geil findet und die andere Hälfte der Band findet das dann irgendwie zu metallig oder zu punkig oder zu... keine Ahnung.

Oehmi: Oder einfach nur scheiße.

Joschi: Also Songs schreiben ist echt Krieg.

Oehmi: Wir brauchen da echt lange bis wir uns auf alles einigen.

 

grassyworld.net: Wie bezeichnet ihr eure Musikrichtung?

Kilian: Bei myspace.com steht Hardcore / Metal. Das trifft es am meisten, denken wir.

Buhrchen: Wir haben extra nicht Metalcore genommen, da es kein reiner Metal ist, den wir machen. Es ist einfach Metal und Hardcore mit ein wenig Punk.

 

grassyworld.net: Und gibt es da so einen Federführer in Sachen Songsschreiben, Texteschreiben?

Buhrchen: Mh, also, die meisten Riffs, - kann ich das so sagen? - Kommen von mir oder? Und darauf bauen wir dann unsere Lieder auf. Wobei ich aber nicht der große Texteschreiber bin. Da hat sich gezeigt, dass Joschi darin ziemlich gut ist.

Joschi: Oehmi schreibt auch Texte. Wir sitzen meisten zusammen und dann kommt Buhrchen mit einer Idee.

Kilian: Die Ideen entstehen hauptsächlich hier während der Proben. Da kommt keiner, der schon einen Song komplett geschrieben hat.

Joschi: Geht auch gar nicht. Weil wenn einer zuhause was fertig schreibt, dann kommt der hier her und dann: „Das ist Scheiße, das ist Scheiße“ und dann kannste' einen Song auf den Müll schmeißen.

grassyworld.net: Wovon handeln eure Texte?

Joschi: Wir schreiben zum Teil abstrakt politisch. Aber jeder Song ist anders.

Oehmi: In „See me Scream“ geht es z.B. über den Überwachungswahn – an jeder Ecke Kameras usw. - und dass das halt schon ein harter Eingriff in die Privatsphäre ist.

Joschi: Da regt man sich schon ziemlich drüber auf.

Oehmi: Sonst schreibt man auch über das, was einen bewegt oder einfällt. Das können völlig alltägliche Dinge sein; Menschen die nerven usw.

Joschi: Der eine Text ist über zerbrochene Freundschaft. Und da sieht man schon, dass wir mal über dies, mal über das schreiben. „The Guard“ ist dann wieder so über Militär- und Polizeiwillkür. Aber das ist alles relativ abstrakt und nicht auf einen bestimmten Fall bezogen. Wir sagen nicht, dass der und der Politiker scheiße ist. Wir abstrahieren das, damit jeder das auf sein Leben beziehen kann.

Buhrchen: Eine richtige Geschichte haben wir noch nie gehabt.

 

grassyworld.net: Die Texte sind euch also wichtig?

Joschi: Ja, auf jeden Fall.

Oehmi: „Hearts Don't Break“ fällt da so ein bisschen raus.

Buhrchen: Ist aber ein guter Text.

Oehmi: Ja, das ist so eine kleine Abrechnung mit der Exfreundin.

Joschi: Mir sind die politischen Dinge schon wichtig.

 

grassyworld.net: Wie viele fertige Songs habt ihr?

Buhrchen: Wieviele sind auf der Demo?

Oehmi + Kilian: Sieben.

Oehmi: Einen haben wir verworfen, den Ersten. Den haben wir fallen gelassen, weil das nicht mehr zum Rest passte.

Kilian: Ja, den haben wir auf unserem ersten Konzert im Kaffeegarten noch gespielt, aber danach nicht mehr.

 

grassyworld.net: Wie viele Gigs habt ihr schon gespielt?

Oehmi: Zwei. Und beide im Kaffeegarten.

grassyworld.net: Und welcher hat euch besser gefallen?

Oehmi: Der Zweite.

Buhrchen: Mir der Erste. Da hatte ich einfach mehr von, weil ich unseren Sound halt auch gehört habe, im Vergleich zum zweiten Auftritt.

Kilian: Beim Ersten war der Bühnensound besser. Aber die Gäste haben gesagt, dass unser Spiel beim zweiten Mal besser gewesen wäre.

 

grassyworld.net: Wie war das für euch, auf die Bühne zu gehen und zu spielen?

 

Kilian: Schön.

Buhrchen: Bei mir ist es immer ganz schlimm. Am liebsten würde ich vor Aufregung weglaufen.

Joschi: Beim letzten Gig viel es mir recht leicht, weil wir vorher die Aufnahmen für die Demo gemacht hatten und wir alles tausend mal gespielt hatten. Deshalb fühlte ich mich ziemlich sicher beim Spielen. Da konnte nicht dieser Moment kommen, wo ich dann Angst bekomme, weil ich den einen Song nicht kenne und ich mich hier und da andauernd verspielen würde. Mit der Sicherheit, war ich kaum aufgeregt und habe mich sehr gefreut, endlich mal wieder aufzutreten.

Buhrchen: Aber dann nach so einer lagen Winterpause gleich vor so einer Menge heimischen Publikum - und alle Freunde sind da - zu spielen. Das kann ich irgendwie nicht haben.

 

grassyworld.net: Ihr spielt jetzt noch auf anderen Konzerten, z.B. auf dem CRC Festival und dem Südwinsen Festival. Das sind die größten Gigs im Landkreis Celle. Was macht ihr danach? Wollt ihr raus aus Celle, oder bleibt ihr noch ein wenig?

Oehmi: Wir wollen raus.

Joschi: Das heißt natürlich nicht, dass wir hier nicht mehr spielen wollen.

Oehmi: Hat ja auch keinen Sinn, wenn wir hier immer in den gleichen Location, vor dem selben Publikum spielen. Das ist ja dann auch irgendwann öde.

Kilian: Mein Ziel ist ganz klar, dass wir uns mal einen Transporter und ein paar Dates in Deutschland klar machen und dann mal übers Wochenende oder über eine ganze Woche eine kleine Tour machen. Hier in Celle hat man irgendwann mal alles abgegrast und man will ja auch andere Leute erreichen.

Buhrchen: Kommt natürlich auch darauf an, wie weit man mit der Musik kommt. Aber wir müssen jetzt erstmal anfangen. Wir sind schon so eine lange Zeit zusammen und haben erst auf zwei Konzerten gespielt.

Kilian: Aber das muss man alles Schritt für Schritt aufbauen. Wir habe die HP fertig, wir haben Myspace fertig, wir haben die EP fertig. Wir wollen die EP auch noch pressen lassen. Und jetzt geht es erstmal an die Konzerte.

 

grassyworld.net: Wie kommt es, dass eure EP umsonst zum Download bereit steht?

Oehmi: Damit möglichst viele Leute unsere Musik hören können. Wenn du auf einem kleinen Konzert eine Band sieht, die du nicht kennst, aber du denkst, „Bow, die sind geil“, dann willst du da aber nicht gleich dick Kohle auf den Tisch legen, um deren CD mitzunehmen. Und es geht uns darum, uns zu präsentieren und der Download ist da ein Stück Eigenwerbung.

Kilian: Das Internet ist eine gute Möglichkeit, seine Musik möglichst vielen Leuten anzubieten. Und auch große Bands stellen ihre Alben mittlerweile ins Netz. Wenn wir das als kleine Band nicht machen würden, würden wir wahrscheinlich untergehen. Auf Konzerten ist das halt so, dass kaum einer der uns zum ersten Mal hört, gleich fünf Euro für die EP ausgibt.

Joschi: Und Geld können wir damit im Moment eh noch nicht verdienen. Aber wer uns unterstützen will, der bekommt die Möglichkeit unsere CD zu kaufen. Und dazu kommt, dass wir die Songs unter der Creative Commons veröffentlichen und daher die Songs immer unser Eigentum bleiben. Dadurch können andere Leute damit kein Geld verdienen und wenn jemand unsere Songs öffentlich aufführt, muss er unseren Namen dazu nennen.

 

grassyworld.net: Was haltet ihr davon, wenn andere Musiker ihre Rechte an Plattenfirmen abtreten?

Oehmi: Die Plattenfirmen investieren ja auch in die Bands, aber eigentlich finde ich, dass die Rechte bei den Künstlern bleiben sollten. Es sei denn, er will damit einmal Geld verdienen und verkauft die Rechte deswegen. Dann ist das okay. Aber die Plattenfirmen beuten die Künstler schon aus. Aber darüber könnte ich jetzt noch zwei Stunden erzählen.

 

grassyworld.net: Was würdet ihr machen, wenn euch morgen jemand einen Plattenvertrag anbietet?

Buhrchen: Genau lesen. Denn damit kennen wir uns überhaupt nicht aus.

Kilian: Natürlich würden ich mich da in erster Linie megamäßig drüber freuen, wenn uns ein Label aufnimmt und uns unterstützt. Denn da wollen wir ja hin.

Joschi: Hat ja auch Vorteile, wenn du da jemanden hast, der alles organisiert, damit man nicht alles in Eigenregie machen muss.

Oehmi: Und so ein Label hat ja auch ein bestehendes Netzwerk, womit man eine Menge Leute erreichen kann.

Joschi: Ein Traum für jede kleine Band ist es natürlich bei einem kleinen Label unterzukommen, weil die sich besser um die Bands kümmern und ihnen nicht so viele Vorschriften machen. Es gibt auch viele Labels, die dann sagen: „Ja, du musst jetzt so und so in das und das Schema passen, sonst verkaufst du dich scheiße.“ Und wenn sowas im Vertrag steht, würde ich gleich sagen: „Fickt euch“.

Buhrchen: Ja hier, von wegen: „Deine komischen Haare kommen erstmal ab.“ und solche Sachen. (Großes Gelächter im Raum)

 

In der guten Stimmung beenden wir das Interview, bedanken uns auch an dieser Stelle noch einmal herzlich dafür, dass wir kommen durften und freuen uns auf einer Wiedersehen beim Südwinsen Festival.

 

 



Deine Bewertung: Nichts (7 Stimmen)

kord heißt eigentlich cord.

kord heißt eigentlich cord. aber ist ja auch nicht soo wichtig. ansonsten schönes ding. hat spaß gemacht! sehn uns dann zum südwinsen festival.


RocknRoll... ihr Penner!

Discord

Jungs, ihr seid geil! Weiter so, gleich nach dem CRC erstmal eure EP runtergeladen und höre sie jetzt laufend.

Südwinsen Festival wird echt der Hammer dies Jahr....


"I know I don't belong
And there's nothing I can do
I was born too late" - Saint Vitus

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