M'era Luna Festival 2011

Zum 12. Mal fand vergangenes Wochenende das M'era Luna Festival in Hildesheim statt. Musikalisch wurde den Besuchern von Mittelalter über Futurepop, Symphonic Metal, Industrial zu Dark Rock einiges geboten. Um euch einen Einblick in das nahe Hildesheimer Gothic-Festival zu gewähren, waren wir für euch vor Ort. Fotos sind von Nicola.

Auf dem Hildesheim-Drispenstedter Flugfeld stehen schon kurz nach Einlass fast alle Zelte. Noch freie Plätze zu finden ist schwierig, wenn man der offiziellen Einlasszeit 16 Uhr traut. Der Einlass erfolgt nämlich bereits schon gegen 14 Uhr. Anders als bei anderen Festivals ist Freitag nur Anreisetag, an dem man den Mittelaltermarkt bestaunen kann oder auch zu Lesungen von Schriftstellern wie Christian Aster gehen kann. Das musikalische Programm beginnt erst am Samstag.

Die Sanitären Anlagen bestehen wie üblich aus einem Haufen Dixieklos, die auf dem Festivalgelände und auf dem Zeltplatz stehen, ein paar Toilettencontainer, deren Sauberkeit von super und bis fies schwankt, einer Reihe von Wasserspendern zum Schminken und Zähneputzen, einem Duschzelt (mit luxuriösen Vorhängen vor der eigenen Duschkabine!!) welches nur ganz früh oder ganz spät warmes Wasser zu bieten hat und einem Trinkwasserspender. Im Großen und Ganzen also eine zufriedenstellende Situation. Der Zeltplatz ist angenehm dicht mit Gras bewachsen und wird durchbrochen von den Straßen des Flughafenrunways. So sind wir glücklicherweise mit einem relativ befestigten Gelände gesegnet.

Viel interessanter als der Zustand des Festivalgeländes und der sanitären Anlagen sind jedoch die Menschen. Überall ein Haufen Grufties unterschiedlichster Art. Wir bestaunen Frauen in riesigen Reifröcken, Cypergothics oder Horrorpunks. Leider lässt das Wetter nicht zu, dass sich viel mehr Leute besonders aufstylen. Es regnet oder stürmt einfach zu oft, als dass man seine teuer erworbene Kleidung derart ruinieren möchte.

 

Auf dem M’era Luna gibt es zwei Bühnen. Zum einem die Main Stage, welche sich auf dem Hauptfestivalgelände befindet und zum anderen die Hangar Stage direkt daneben, die sich – wie der Name schon sagt – in einem Hangar befindet.

 Samstag

Musikalisch geht es bei uns nach den großartigen Mittelalterbands Omnia und Qntal mit Leaves' Eyes los. Die Gruppe um Frontfrau Liv Kristin bringt großartigen Symphonic Metal und eine ziemlich motivierende Show. Die gute Laune und Lust an der Musik merkt man Leaves' Eyes sofort an. Zu hören gibt es einige neue, aber auch ältere Songs, wie „My Destiny“, wo Liv's Stimme von Alexander Krull unterstützt wird. Geniale Songs zwischen Verträumtheit und Gegrowle.

Mesh machen dagegen ganz andere Musik. Dicke elektronische Beats scheppern zu einem melodiösen Keyboard, während Sänger Mark Hockings sehr klar singt. Mit gefühlvollen Texten und einem Sound, der sehr an Depeche Mode erinnert, begeistern die drei Jungs sehr schnell das Publikum. Die Synthpop Band aus England wirkt erst etwas unmotiviert, feiert gegen Ende des Sets aber doch richtig mit dem Publikum ab. Vor allem, als Gastsängerin Vic Anselmo mit auf der Bühne steht, blüht Mark richtig auf. Einfach ein Spitzenauftritt.


„Blut im Auge“ ist nur einer der bekannteren Songs, die Equilibrium als nächstes spielen. Der Pagan-Metal kommt bei Vielen jedoch nicht ganz so gut an, wie die folgenden Szeneschlager von Blutengel. Auch wenn man die Elektronische Musik der Berliner nicht so ganz mag, bleiben einem doch die sehr klischeehaften Texte leicht im Kopf. Auf der Bühne wird einem ein interessantes Bild geboten: In schwarz und weiß gekleidete Frauen jagen sich, zu anderer Zeit schwenkt eine Tänzerin ihre Arme so, dass ihr ganzes Gewand flattert. Allgemein sind viele teils sehr leicht bekleidete Frauen zu sehen, die eine extravagante Performance bieten. Die Fans sind hörbar begeistert. Für uns ist das alles etwas überzogen, es werden einfach zu viele Klischees bedient. Stattdessen freuen uns schon auf die Headliner ASP und Atari Teenage Riot.

Atari Teenage Riot spielen anders als die bisherigen Bands im Hangar. (Den Verlauf der dort spielenden Bands konnten wir aufgrund Personalmangels leider nicht genau verfolgen.) Die Elektropunker können wir uns jedoch nicht entgehen lassen. Bereits nach dem ersten Ton ist klar, dass diese Band das Publikum spalten würde. Während einige vermutlich politisch eher rechts gerichteten Besucher des Konzerts der Band den Mittelfinger zeigen, freuen sich die meisten Anderen auf eine Stunde stessvoller Musik. Durchgehend pumpt ein Bass, der nur von wenigen anderen elektronischen Klängen ergänzt wird, durch die Menge. Dazu flackert das Blitzlichtgewitter des Stroboskops fast ununterbrochen auf das Publikum ein. Kein Wunder, dass schnell das größte Moshpit entsteht, was wir auf einer Gothicveranstaltung je gesehen haben. Es ist einfach sehr imposant, wenn alles, was man im flackernden Licht sieht, eine vernebelte Bühne ist, auf der nur schemenhaft der Körper der Sängerin zu erkennen ist, der eine Faust austreckt. Eine Stunde pure Party.

Die legendäre Gothic-Band ASP kündigt sich schon vor Beginn ihres Auftrittes durch ein imposantes Bühnenbild an und lässt auf Vieles hoffen. Im Hintergrund ist ein riesiges Bild des Schwarzen Schmetterlings zu erkennen, welcher über Jahre hinweg ASPs Musik thematisch bestimmte. Der Zyklus des Schwarzen Schmetterlings soll mit diesem Auftritt durchbrochen werden und eine neue Ära für ASP eingeläutet werden. Allgemein lässt sich die Musik von ASP als ehestes als rockige Gruselgeschichtenmusik bezeichnen, da die Lieder immer eine thematische und literarische Komponente ausmachen. Mit dem Song „Wechselbalg“ soll die Verwandlung innerhalb des bisher verfolgten Themas der Musik eingeleitet werden. Eingerahmt wird dieser Übergang durch eine Fülle an bekannteren Songs wie „Und wir tanzten“, „Biotopia“ und natürlich auch „Ich will brennen“. Diese und andere Titel bieten das volle Spektrum an musikalischer Finesse an. Es sind viele gut tanzbare Songs im Programm, sowie melancholische und düstere Titel. Die Highlights des Auftrittes werden mit Pyroshoweffekten und einem Regen aus weißen Schnipseln besonders eindrucksvoll untermalt. Der Meister und seine Band lassen - was die Unterhaltung des Publikums angeht- nichts anbrennen, die Stimmung ist durchgehend auf dem Höhepunkt. In welchem Maße der Band ihre Fans am Herzen liegen, wird bei diesem Auftritt abermals sichtbar. Eine durchaus gelungene und erlebnisreiche Show.

 

Sonntag:

Sonntag beginnt der Tag für uns mit Coppelius. Wir erhoffen uns, dass der Wahlspruch der Herren „Coppelius Hilft!“ tatsächlich hilft und den erbärmlichen Regen vertreibt. Es regnet und windet so sehr, dass bereits Pavillons durch die Gegend fliegen und vom Bühnendach ein kleiner Wasserfall nach unten fließt. Coppelius sind eine Marke für sich. Die Gruppe macht Metal mit Kammermusikinstrumenten und einer Menge Showeinlagen. Das Ganze ist so beindruckend, dass man gar nicht weiß, wohin man gucken soll. Das Bühnenbild ist im Stil des 19. Jahrhunderts gehalten. Der Butler nimmt den Kollegen die Jacken und Hüte ab, wedelt Staub, bevor er auch selber singt. Cello- und Klarinettenspieler Headbangen zu ihrem Sound. Die Songs gehen gut ins Ohr. Der perfekte Einstieg in den neuen Festivaltag.

Bei Mono Inc. scheint Coppelius dann tatsächlich geholfen zu haben, denn es hört auf zu regnen. Dark-Rock vom Feinsten beschallt die nächsten 40 Minuten unsere Ohren. Klarer Gesang, ein fettes Schlagzeug, Gitarre und ganz viel Elektro sorgen für einen sehr melodischen Sound, bei dem man gerne mitsingt. Das Schlagzeugsolo von Katha Mia hat es uns auch sehr angetan. Das Einzige, was gestört hat, war der Versuch den ziemlich wahrscheinlich Playback gespielten Hintergrundgesang real wirken zu lassen.

Die Norweger Gothminister überzeugen mit einem Haufen cooler Effekte und viel Lärm auf der Hangar Bühne. Zu Beginn schwebt eine Gargoyle Figur am Rande der Bühne empor, bevor die Musiker in die Instrumente hauen. Der Gothic-Metal schafft es durch die Figuren auf der Bühne und die nebelige Atmosphäre schnell eine düstere Parallelwelt zu erzeugen, in der das Böse herrscht. Feuereffekte fliegen fast alle paar Lieder in die Luft und Fledermäuse fliegen über die Köpfe der Zuschauer. Eine sehr gelungene Performance, weil es immer etwas Neues zu sehen gibt. Besonders passend war der Song „Darkside“, welcher vom Publikum besonders gefeiert wird.

Nach Gothminister spielen auf der Main Stage die Elektrolegenden von Project Pitchfork. Als Nächstes dürfen dann die inoffiziellen Headliner des Festivals VNV Nation ran. An der Live-Performance der Band hat sich seit Jahren nicht viel getan. Man betrachtet immer noch Monitore, die verschiedene Bilder von sich geben. Überraschend ist jedoch, dass der Hit Chrome gleich zu Beginn gespielt wird. Der Future-Pop mit leicht technoidem Anklang eignet sich trotzdem immer wieder gut zum Feiern. Besonders schön ist hier Ronan Harris Gesang, der einen immer wieder in eine Art Trance befördern kann. Es waren daher auch reichlich viele Besucher des Festivals bei diesem Auftritt vertreten.

Der offizielle Headliner Hurts startet gleich mit den zwei bekanntesten Songs der Gruppe und wird danach leider etwas ruhiger. Man hört sich die leicht melancholischen Songs alle gerne an, aber es ist einfach nichts zum Feiern. Vor der Bühne ist es deutlich leerer als bei VNV Nation. Auch auf dem Zeltplatz hat es sich jetzt schon gelichtet. Hurts überzeugen durch ihre Professionalität zwar trotz allem. Für einen Headliner hätten wir uns jedoch etwas Szenenäheres gewünscht, als eine Band, die besonders oft im Radio zu vernehmen ist. So ging es scheinbar vielen Besuchern des Festivals. Vielleicht wären dann auch nicht so viele Gäste verfrüht abgereist.

Für 79€ - oder dem Tagespreis von 49,50€ - ist der Festivalpreis nicht günstig, aber in Anbetracht des üppigen Programms durchaus angemessen. Enttäuschend war nur, dass es keinen Headliner aus der Szene gab. Ansonsten sind wir sehr auf das 2012er LineUp gespannt.

Kommentare

ja, ja. Einmal im Jahr ist M'era Luna Zeit. Und ich finde es super, dass immer mehr Frauen den Metal erobern. Gerade erst haben Oathbreaker eine neue Platte rausgeschleudert (nach 3 Jahren ohne, dachte ich schon: dass wars). Zur Kritik einfach mal auf rock-musik.ch gucken. Und dann sehe ich auch noch Leaves' Eyes live (von denen habt ihr ja auch berichtet) und verliebe mich (musikalisch) sofort. Was für ein gelungener Auftritt. Was für eine saucoole Veranstaltung.

In Vorfreude auf 2012

Oathsome

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