Rusher Interview

Der Bremer DJ Rusher, ist häufiger in Celle zu Gast. Ob nun bei der Cellebration, im Bunten Haus, wo er letztes Wochenende auf der F|W|D Party aufgelegt hat, oder im Sommer bei der Retailiation in der CD Kaserne. Wir hatten die Chance ein Interview mit ihm zu führen was ihr nun lest:

 grassyworld.net: Wann und wie kamst du zum Drum 'n' Bass?

Rusher: Als ich angefangen habe meine eigenen Tracks zu produzieren (damals noch Hardcore Techno), habe ich schon Breakbeat Samples benutzt, zu der Zeit kannte ich noch gar kein Drum & Bass. Als ich ca. 1998 das Interesse an Hardcore verloren habe, habe ich mich in anderen Genres umgehört, zu der Zeit habe ich dann ziemlich experimentelle Tracks produziert. Etwas später, ich denke, es war 1999/2000 habe ich ein Andy C Set runtergeladen, in dem er viel Bad Company und Ed Rush & Optical Sachen gespielt hat. Ich fand den Sound sofort sehr cool und habe auch direkt angefangen Platten zu kaufen, nachdem ich ein Jahr lang Drum & Bass aufgelegt habe, habe ich dann auch angefangen es zu produzieren.

grassyworld.net: Welche Dinge wollen deine Songs / Mixes ausdrücken? Und wie sehr beeinflusst deine persönliche Stimmung deine Musik?

Rusher: Es gibt wahrscheinlich nichts, was meine Musik mehr beeinflusst. Emotionen sind das wichtigste bei jeder Musik (ok, vielleicht mit einigen Ausnahmen), egal ob es das ist, was der Produzent mit seinem Track ausdrücken möchte, oder die Emotionen, die bei dem Hörer ausgelöst werden.
Meine Musik ist wie mein Tagebuch und sie ist das persönlichste, was ich zu geben habe. Wenn es mir schlecht geht, mache ich Musik, wenn es mir gut geht, mache ich Musik, wenn ich bestimmte Erlebnisse verarbeiten will, mache ich Musik.

grassyworld.net: Wie ging deine Entwicklung voran vom Bremer DJ zu einem der besten Produzenten im deutschen Drum 'n' Bass? 

Rusher: Ich weiß nicht ob ich einer der besten deutschen Produzenten bin, aber danke für das Kompliment. Ich denke, das war ein ganz natürlicher Prozess, ich wollte (und will) eben immer besser werden, wenn irgendwo mein Name steht, möchte ich Qualität bieten können. Ich warte lieber zwei, drei Monate länger um einen Mix aufzunehmen oder um einen Track fertig zu stellen, wenn ich weiß, dass er dadurch besser wird. Es geht einfach ums weiterentwickeln als Künstler und als Produzent.

grassyworld.net: Drum 'n' Bass ist ja nur der grobe Überbegriff. Wie würdest du Leuten, die nicht so stark in der Szene unterwegs sind, erklären, was Neuro, Dubstep oder andere Sachen, die du auflegst, sind?

Rusher: Ich spiele eigentlich einfach das, was mir gefällt, im Prinzip sind mir Subgenres egal, aber "Neurofunk" ist einfach mein Sound, weil (ich finde) das es, was den Qualitätsstandard der Tracks angeht, kein Subgenre gibt, das so ausgereift ist (obwohl sich auch das in den letzten Jahren geändert hat), der Style ist für die Studionerds, die Bock drauf haben stundenlang an Reglern rumzudrehen bis der Sound perfekt ist. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass wenn man Drum & Bass in Filmgenres unterteilen würde, "Neurofunk" Science Fiction wäre, und das stimmt absolut, denn es ist futuristisch und düster. Dubstep ist mittlerweile die kleine Schwester (die aber sehr schnell größer wird) von Drum & Bass, es ist zwar ein eigenes Genre aber wird auf jeder Drum & Bass Party akzeptiert und ein Großteil der Drum & Bass Leute hat auch seine Finger im Dubstep. Es ist langsamer als Drum & Bass aber extrem kraftvoll, und da das Genre noch "relativ" neu ist, macht es Spaß damit rumzuexperimentieren, es ist alles noch nicht so eingefahren wie beim Drum & Bass. Ich denke, das macht den Reiz aus.

grassyworld.net: Wie kam der gute Kontakt nach Celle zustande?

Rusher: Der Kontakt mit den Celler Artists kam durch gemeinsame Bookings zustande, man hat sich auf Parties kennengelernt, jedes mal ein bisschen miteinander geredet, man war sich sympathisch und hat dann Sachen zusammen gemacht (Radioshows etc.).

grassyworld.net: Neuerdings sind auch Fotos und Videos auf deiner Homepage zu sehen. Wird das ein weiterer Bereich, wie du dich künstlerisch verwirklichen willst und auch weiterentwickelst?

Rusher: Ich fotografiere jetzt seit ca. 2 Jahren und mit Videobearbeitung beschäftige ich mich schon sehr lange, aber für mich ist das alles eine Sache, es ist alles Rusher, meine Musik, meine Fotos, die Videos, es hat alles einen eigenen Style, und ich mache es (wie fast alles) nicht aus einem kommerziellen Hintergrund, sondern einfach aus Spaß an der Sache. Wenn jetzt einer zu mir sagen würde "Du kriegst 1000,-EUR wenn du Fotos von mir machst" sage ich nicht nein, aber es ist eben nicht der Grund, warum ich damit angefangen habe.

grassyworld.net: Welche Projekte sind momentan geplant?

Rusher: Geplant ist vieles aber was am Ende davon wirklich umgesetzt wird, ist eine andere Sache. Ich habe mir abgewöhnt, über Sachen zu reden, die ich vor habe, denn ich habe immer so viele Ideen und Projekte, das nicht immer alles davon umgesetzt werden kann, entweder weil ich nicht mehr so von der Idee überzeugt bin oder weil ganz einfach die Zeit dafür fehlt. Ich lese immer mehr Sachen von anderen Artists im Netz, über ihre großen Pläne, "Dieses Jahr wird BIG!" usw. Ich glaube, die meisten schreiben solche Sachen, um zu sagen "Hier, ich bin auch noch da!" oder um sich selbst zu motivieren, da möchte ich mich nicht mit einreihen, was kommt, kommt, und vorher wird nicht viel darüber geredet.
Deshalb möchte ich jetzt nur über Sachen reden, die auch 100%ig sicher sind.
Ich sitze zurzeit an den Vorbereitungen für einen experimentellen Kurzfilm, der im Juli gedreht wird.
Vor zwei Monaten habe ich mein Studio etwas umgebaut und bin auf Mac umgestiegen, und es war eine meiner besten Entscheidungen, denn seitdem bin ich sehr viel produktiver, wahrscheinlich weil ich mich nicht mehr mit Abstürzen rumärgern muss :)
Ich habe einige neue Drum & Bass Tracks fertig und noch mehr sind in Arbeit, im Juni gibt es einen neuen Mix aus meiner Repercussion Reihe (Stage 9), in dem man einige dieser Tracks dann auch hören kann. Am 03.05. kam meine neue Single die "Blood Theme EP" (mit "Blood Theme" und "Lithium") auf Citrus raus.
Im Juli wird es eine Veranstaltung in Celle geben, dazu bald mehr, und im selben Monat werde ich anfangen meinen "Abschluss" als Filmmusiker in Hamburg zu machen.

grassyworld.net: Ist ein internationaler Durchbruch schon geschehen oder ist er absehbar?

Rusher: Durchbruch ist in diesem Zusammenhang ein großes Wort, ich habe viel im Ausland aufgelegt und fast nur auf Labels aus dem Ausland released.

grassyworld.net: Wie siehst du dich in Zukunft künstlerisch?

Rusher: Naja ich werde mich ständig weiter entwickeln und deshalb ist so was schwer zu sagen. Ich werde weiterhin mein Bestes geben und die Sachen machen, die mir Spaß machen. Was dabei rauskommt wird man sehen.

grassyworld.net: Wie siehst du die Szeneentwicklung im Drum n Bass? Es gibt ja zwei Seiten. Die einen wollen neues Publikum und wollen, dass Drum n Bass ne große Nummer wird und die anderen wollen unter sich bleiben und akzeptieren nur schwer Publikum, welches nicht nur Drum n Bass sondern auch noch Rock oder House hört, wie es z.B. in Celle der Fall ist.

Rusher: Mir ist das eigentlich relativ egal, aber das Beispiel Rap/Hip Hop hat gezeigt, das eine Kommerzialisierung das künstlerische nicht gerade fördert, im Gegenteil.
Früher, als Hip Hop noch "Underground" war, haben sich die Hip Hop Fans gefreut, wenn mal ein Video auf MTV lief, heute läuft der Kram in jeder Dorfdisco und hat absolut nichts mehr mit den Wurzeln des Hip Hop zu tun. Man kann es jetzt einfach "Weiterentwicklung" nennen oder sagen, das die Qualität darunter leidet, wenn das Geld vor dem Künstlerischen steht. Es ist eine schwere Frage, in der heutigen Zeit und durch das Internet ist Musik sehr viel kurzlebiger geworden als sie früher einmal war, es gibt jetzt z.B. kaum noch Alben, die man als Klassiker bezeichnen würde, da es jetzt einfacher als je zuvor ist, Musik auf den Markt zu bringen, ist es auch schwer, Qualität zu finden, und selbst wenn mal etwas dabei ist, das gut ist, ist es schwer, dass es sich durchsetzt, und dadurch ist es auch viel schwerer Geld mit Musik zu verdienen.
Deshalb denke ich, dass wenn es tatsächlich mal so weit kommen würde, das Drum & Bass kommerziell wird (was durchaus denkbar ist), nicht mehr viel von der ursprünglichen Musik übrig bleiben würde. Aber wenn jemand die Musik mag, soll er sie doch hören, egal ob er sonst Techno oder Country hört.

grassyworld.net: Hat man, wenn man einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat, überhaupt noch Vorbilder denen man nacheifern will? Oder anders gefragt: Gab oder gibt es für dich musikalische Vorbilder innerhalb der Szene, oder ist das weiter gefasst?

Rusher: Es gibt zwei Produzenten die mich sehr geprägt haben, das sind Desimal und Kemal, aber sie sind keine Vorbilder für mich. Und es gibt noch einige Leute, die ich für das, was sie leisten sehr respektiere, von Noisia z.B. kommt ständig Qualität, egal in welcher Richtung. Und auch was Phace & Misanthrop mit Neosignal machen gefällt mir extrem gut, für mich das beste deutsche Label.

grassyworld.net: Wie findest du Crossover Experimente, wie den Song von Drone und Stunnah- No Pattern, wo sich Metal und Drum 'n' Bass vermischen?

Rusher: Experimente sind sehr wichtig, denn nur so kann Neues entstehen, aber musikalisch ist es nicht mein Fall.

Wir bedanken uns bei Rusher für dieses Interview.

Neuen Kommentar schreiben