Nach Squal Unit haben wir direkt das nächste Interview für euch. Celles Ausnahmekünstler, wie er in diversen Celler Medien bezeichnet wird, Stunnah steht uns für ein Interview zur Verfügung und gibt uns einen kleinen Blick in seine Welt als Künstler, musikalische Selbstverwirklichung
abseits des Drum'n'Bass, seine Sicht auf Celle als jemand, der hier zwar noch wohnt, aber aus anderen Städten viel mehr mitbekommt und natürlich wie man so schnell sprechen lernt, dass man aufgrund der Fertigkeiten beim Doubletime-Rappen sogar nach England, Spanien oder Holland gebucht wird. Die nette kleine Runde im Rio's wurde übrigens auch von unseren Kollegen von TV Celle gefilmt. Fotos hat für euch Svenja gemacht.
grassyworld.net: Wer ist Stunnah?
Stunnah: (überlegt kurz) Stunnah bin definitiv ich, ein Teil meiner Person! Aber ich würd sagen der Künstler Stunnah hat eine Art, die ich so in meinem privaten Leben nicht auslebe. Auf der Bühne sieht man eine Rampensau und das soll bewusst so rüberkommen. Privat würde ich mich eher als introvertiert und zurückhaltend, ja, wenn nicht sogar in bestimmten Situationen ein wenig schüchtern bezeichnen. Ich würde nicht auf die Idee kommen, hier als großer Poser aufzulaufen und dir zu erzählen, wie ich mich selbst feiere. Allerdings bin ich überzeugt von dem, was ich tue. Das hat mich bis zu dieser Stelle gebracht.
grassyworld.net: Wo stehst du aktuell als Künstler?
Stunnah: Aktuell bin ich ganz zufrieden mit dem, was ich bislang als Künstler erreicht habe, möchte aber nicht auf dem Level bleiben sondern weiter vorankommen. Bislang nehmen mich die Leute (noch) mehr als Drum'n'Bass Künstler war, was auch so sein soll und ein wichtiges Standbein für meine musikalische Karriere ist. Aber ich bin musikalisch so interessiert, dass ich mich in beinahe jedem Genre austoben möchte. So bin ich jetzt auch live mit Bands unterwegs und feile zurzeit an einem Solo-Programm, das aus eigenen Songs und Riddims besteht und als Showcase präsentiert werden wird. Zunächst wird dieses Programm in unsere Live-Shows mit AElement implementiert. AElement ist meine Band, in der wir Punk und Rock mit Drum & Bass zusammenfließen lassen.
So lernen mich die Interessierten auch mit anderen Sachen kennen. Ich möchte nicht nur als MC, sondern als Künstler wahrgenommen werden, da meine Texte durchaus auch ernstere und tiefgründigere Themen behandeln. Auf lange Sicht möchte ich mich als Solo-Künstler etablieren. Frei von Genre- und Ländergrenzen. Mein eigener Headliner sozusagen.
grassyworld.net: Wie siehst du im Hinblick auf andere Städte, die du kennst, die Celler Kulturszene?
Stunnah: Was in den letzten Jahren aufgebaut wurde, ist wirklich großartig. Dafür, dass Celle keine Universität, dafür aber eine irre hohe Abwanderungsrate an Jugendlichen hat, und insbesondere jetzt nach dem Doppeljahrgang beinah jeder mit 17 bis 19 die Stadt verlässt, weil er/sie eine Ausbildung macht oder studieren geht, gibt es hier immer noch genügend Leute, die sich engagieren und was aufbauen.
Allen voran ist da natürlich das Bunte Haus, als Anlaufpunkt für alle Subkulturen, aber auch die Cellebration, oder auch ihr, grassyworld, wie ihr euch zur Pflicht gemacht habt, über Subkulturen ausgewogen zu berichten. Für eine 70.000 Einwohner Stadt kann man schon ganz zufrieden sein. Etwas mehr Initiative von Seiten der Politik ist hier wünschenswert.
grassyworld.net: Welche Projekte mit welchen Stilen hast du momentan so laufen?
Stunnah: Also erstmal bau ich ja stetig den Namen Stunnah auf. Der Schwerpunkt liegt dabei nach wie vor auf Drum'n'Bass, da es aktuell mein erstes Standbein als Künstler ist. Gleiche Priorität hat AElement, was mir sehr an Herzen liegt. Das Konzept ist ähnlich wie bei der Crossover-Geschichte mit Drone. Ich bin mir bewusst, wie gut das damals ankam und bekomme heute, nach drei Jahren, immer noch wieder mal Mails und Feedback im Allgemeinen zu dem Song. Ansonsten steht bei mir Grime bzw. Rap und Dubstep mit auf der Liste. Mit Blick auf die breite Masse werde ich mein Solo-Projekt auch in Richtung Pop-Musik lenken, was jetzt doof klingt, aber nichts damit zutun hat, was ihr unter Pop-Musik versteht. Dazu die bereits erwähnten akustischen Projekte mit verschiedenen ausgebildeten Musikern. Hier kommen also keine „Bedroom-Skills“ zum Vorschein, sondern Musikstudium, die Damen und Herren wissen, was sie tun. Es sind also viele Projekte und viele Ziele, von denen mir alle unglaublich viel Spaß machen und gleichermaßen am Herzen liegen.
grassyworld.net: Viele Celler gehen, wie schon gesagt, aus Celle weg, da sie studieren gehen oder woanders eine Arbeit finden. Warum lebst du noch in Celle, obwohl andere Städte für einen Musiker sicherlich attraktiver erscheinen?
Stunnah: Nun, natürlich könnte es in größeren Städten ein wenig leichter sein,
aber auch so, von Celle aus, ist das kein Problem. Der Hauptgrund, warum ich noch in Celle wohne ist einfach: ein fester Job. Die Musik wirft nicht so viel ab, als dass ich davon so leben könnte, wie ich es mir vorstelle. Ich möchte meinen Mindeststandard mit eigener Wohnung, eigenem Auto und ohne finanzielle Sorgen aufrechterhalten. Um da hin zu kommen, braucht man auf jeden Fall Zeit und vor allem schon vor dem Zeitpunkt des „Durchbruchs“ Geld. Heutzutage ist es auch kein großes Problem, seine Musik selbst zu machen, selbst zu veröffentlichen und sich zu vernetzen.
Jeder kann sich die Technik für zu Hause kaufen und auch ich habe mir zuhause eine Aufnahmemöglichkeit geschaffen. Die Tracks schicken wir uns übers Internet hin und her, da muss man nicht mehr unbedingt aufeinanderhocken und ist abhängig von der Infrastruktur großer Städte. Anders sieht es natürlich bei den Bandproben aus. Aber auch das ist zu schaffen, denn ich will es so.
grassyworld.net: In einem anderen Interview hast du gesagt, dass du deine Arbeitszeit etwas reduzieren möchtest, damit du dich mehr auf die Musik konzentrieren kannst. Hast du das schon umgesetzt oder die Pläne dafür wieder verworfen?
Stunnah: Leider konnte ich das noch nicht umsetzen, habe es aber definitiv auf mittelfristige Sicht vor. Die Preise für einen Song sind bei einem Verkauf über iTunes beispielsweise sehr gering, sodass das aktuell für mich noch nicht genug Einkommen bedeuten würde. Normal ist es ja auch eigentlich so, dass man erst ein paar Songs aufnimmt, dadurch bekannter wird und über die Songs Liveauftritte vermittelt bekommt. Die sollen dann wiederum den Lebensunterhalt bringen. Es fühlt sich komisch an, da es bei mir umgedreht ist und ich schon Jahre auf der Bühne stehe, aber noch kein eigenes Album herausgebracht habe. Etwas vom Thema abgekommen… aber so greift eins in das andere und es resultiert alles irgendwie auseinander.
grassyworld.net: Wie ist deine Sicht auf die Cellebration, die du ja selbst jahrelang mit aufgebaut hast?
Stunnah: Als neutraler Beobachter finde ich es krass, dass jemand so viel Aufriss betreibt und sich traut viel Geld in die Hand zu nehmen und das Risiko dafür trägt. Als Teil des Kreises, der die Cellebration lange Zeit mit geprägt hat und mit aufgebaut hat, ist es manchmal seltsam, jetzt zu sehen, wie die Veranstaltung kommerzialisiert wird und der Ursprungsgedanke dabei abhandengekommen ist. Früher haben wir Freunde und Bekannte eingeladen, um zusammen Musik zu machen. Cellebration
haben wir als unsere Lobby benutzt, zusammen zu kommen und im großen Rahmen zu feiern. Wir untereinander mit Gästen. Durch die Einnahmen haben wir die entstandenen Kosten gedeckt.
Es ist, wenn man es so nostalgisch betrachtet, schade, dass die Ursprungsleute hinten abfallen und nicht versucht wird, alle Leute, die die Cellebration ausgemacht haben über viele Jahre, mit ins Boot zu holen und ihre Motivation aufrecht zu erhalten, damit auch alle etwas davon haben.
Auf der anderen Seite ist der Ansatz wirklich großartig, denn Cellebration versucht zu neuen Ufern aufzubrechen. Und das funktioniert nur, wenn man Geld in Bewegung setzt.
grassyworld.net: Wie lernt man so schnell zu sprechen?
Stunnah: (lacht) Üben, üben, üben! Als Ricardo (Mex-E) und ich damals angefangen haben, versuchten wir die Texte mitzusprechen, was Stück für Stück auch funktionierte. Wenn man erstmal die Struktur der Sprache drauf hat, hilft das ungemein. Aber dennoch ist es bis heute ein laufender Prozess, die Wörter immer klarer und schneller auszusprechen. Manchmal nehm ich Studio-Sachen nach zwei Wochen nochmal auf, weil ich weiß, dass ich bestimmte Passagen flowmäßig dann mehr auf den Punkt bringen kann. Und natürlich gibt es auch Passagen, da habe auch ich einen Knoten in der Zunge. Wenn mich jemand dabei sehen oder hören würde, bin ich mir sicher, ihm oder ihr ein paar lustige Momente zu verpassen.
grassyworld.net: Du warst auf den CellAir Musicdays und hast auch die Berichterstattung sämtlicher Medien verfolgt. Wie ist deine Sicht auf die Veranstaltung?
Stunnah: Auch hier kann ich nur wiederholen, ich finde es gut, wenn es Leute gibt, die etwas auf die Beine stellen wollen, die Kohle in die Hand nehmen und Mut zeigen, was zu machen. Ich habe von dem ganzen Ablauf nicht viel mitbekommen, aber es scheint etwas ernüchternd gewesen zu sein an dem Wochenende, da zu wenig los war. Ich kann nur subjektiv von meinem Auftritt sprechen und da hat es mir soweit eigentlich gefallen. Ich empfand es zu dem Zeitpunkt als gut gefüllt, die Leute sind mitgegangen und im Nachhinein wurde der Part als Highlight des Festivals bezeichnet, daher ist das für mich sehr erfolgreich gelaufen. Nichtsdestotrotz hätte es cooler sein können mit mehr Leuten an beiden Abenden, wobei man auch den Eintrittspreis in Relation setzen und sich wertungsfrei die Frage stellen muss „Wer ist bereit, das zu bezahlen?“
grassyworld.net: Du unterstützt aktuell "Bürger Müller" bei seiner Wahlkampagne für den Stadtrat. Wie kam es dazu?
Stunnah: Nun, Olli kennt ja fast jeder in Celle, alleine schon durchs Rio's. Über facebook habe ich dann erfahren, dass er kandidiert und Kontakt aufgenommen. Die Ansätze fand ich auf den ersten Blick ziemlich cool und ich bat ihm Hilfe im Hintergrund an. Olli sagte mir, dass er sich schon eine Weile mit der Frage beschäftigt hatte, mich nach einem Tune zu seiner Kandidatur anzuhauen. Ich habe mich dann hingesetzt und mögliche Instrumentals rausgesucht und darauf einen Text geschrieben. Auf Deutsch und nicht ganz so schnell, da er verständlich sein soll. Dieser Song hat nichts mit „Stunnah“ zu tun, sondern ist für mich eine Art Freundschaftsdienst und wird unter anderem auf der Internetseite zur Kandidatur, www.bürger-müller.de im Hintergrund laufen. Hannes Huke von Fire in Fairyland mischt den Song ab und Freddy Fukks, ein Rapper aus Celle, den ich absolut feiere, rappt auch noch einen Part dazu ein. Zusätzlich unterstütze ich Bürger Müller bei seiner facebook Kampagne.
grassyworld.net: Hast du abschließend noch etwas zu sagen?
Stunnah: Celle kann Fall stolz sein, eine so ausgewogene subkulturelle Szene zu haben. So ziemlich alle Subgenres sind dabei und Celle hat noch krasses Potenzial in der Hinsicht. Selbst für Aussenstehende macht sich Celle interessant. Ich höre immer wieder, dass beispielsweise Künstler, die auf einer Cellebration gespielt haben, zurückkommen wollen, weil sie hier eine gute Zeit haben.
Wir bedanken uns für das Interview!
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