Sweety Glitter vom 20.02.2009

Und wieder mal bekommen die Celler die Ehre, die glamouröse braunschweiger Band „ Sweety Glitter and the Sweathearts“ live on stage zu sehen. Genau vor einem Jahr machten sich die fünf gutaussehenden Glamrocker auf dem Weg in die kleine, aber feine Stadt Celle, um mit ihrem Charme und natürlich mit ihrem wilden Glamrock viele Herzen zu erobern. In diesem Jahr, 2010, wurden sogar noch mehr Herzen als letztes Jahr verschenkt; aber nicht nur an die taffen Rocker...
Wer erfahren möchte, in wen sich das Publikum noch verliebt hatte, der lese bitte weiter.

Es ist ein kaltes, aber annehmbares Wetter, das uns in der Mittagszeit die warme Sonne nach der langen extrem winterlichen Zeit schenkt und dennoch am gestrigen Abend, dem 20.02.2010, wieder Schnee brachte. Doch wer denkt schon daran, zu Hause zu vergammeln, wenn man eine der erfolgreichsten und unterhaltsamsten Bands Niedersachsens live miterleben darf?
Um 19:30 Uhr sind nur wenige Parkplätze besetzt, was uns sofort auffällt. Auch vor dem Eingang stehen nur einige Besucher mit einer genüsslichen Zigarette und einem kühlen Bierchen, die ihre Kontakte pflegen. Wir gehen voller Hoffnung rein - und siehe da, eine ganze Menschenmasse lümmelt im Foyer rum. Da fragt man sich: Sind alle nun zu Fuß gekommen oder wieso sind nur wenige Autos auf ihren Plätzen?
Die Abendkasse sowie die Security, wie immer freundlich und herzlich, sammelten ihre 19,00 Euro oder ihre Karten, die einige im Vorverkauf für nur 16,90 Euro erlangt haben, ein.

Der Großteil der anwesenden Damen und Herren ist zwischen 30 bis 50 Jahre - maximal 60 Jahre jung. Aber auch einige Jugendliche und junge Erwachsene wollen auf keinen Fall diese großartige Show verpassen. In der kleinen Halle tummeln sich manche freudvollen Gäste, die ganz weit vorne stehen, um auch alles sehen zu können. Die Bühne ist schon fertig aufgebaut; doch was sofort ins Auge fällt ist die Tatsache, dass nicht nur ein Musikinstrument jeder Art vorhanden ist, sogar gleich zweimal. Das gewohnte lila Peace-Banner mit gold verziehrter Schrift wird von einem anderen verdeckt, das noch sehr unbekannt zu sein scheint. Der mysteriöse Name „John Tennis“ mag uns nicht mal ansatzweise darüber aufklären, um welche Musikrichtung es sich hierbei handelt.
Es ist gerade mal 20:00 Uhr, als sich eine unglaubliche Menschenmenge in der Halle sammelt und überrascht zu sein scheint, als bekannt gegeben wird, dass eine hildesheimer Band zu Gast ist.

Man lässt sich aber gerne auf die Vorband ein. Als Belohnung für die braven Celler gibt es von den vier jungen Männern ordentlich was um die Ohren: Mit ihrem Programm aus feinstem Hardrock, sauberem Rock´n´Roll und progressive Rock aus den 70ern machen sie sowohl die Bühne als auch das Publikum unsicher. Es wird mal laut, mal leise; mal hart, mal kuschelig; den besonderen Schliff der Show gibt  aber die alte Hammond-Orgel, mit der der Sänger sehr gut umgehen kann. Auch seine vielfältige Stimme, die sowohl für Schmusesongs als auch für harte Nummern geschaffen ist, kann sich allem anpassen und erregt im Publikum große Bewunderung. Die künstlerischen Beiträge des Drummers, des Gitarristen und des Bassisten sind im Einklang; ein eingespieltes Team seit sie zusammen im Jahre 2005 in einer Schulband ihrem Hobby nachgehen konnten. Das Publikum ist sofort begeistert von dem Zusammenspiel, auch wenn sie etwas zu schüchtern zum Mitsingen sind. Dennoch werden sie von einem Mann aus der Menge zum Ausziehen aufgefordert, was eindeutig dafür spricht, dass sie schon längst in die Herzen  aufgenommen wurden. Man bekommt das Gefühl, dass sie eine eigene Variante des Hardrocks durch die melodischen Klänge der Orgel erschaffen haben, die sehr gut ankommt. Gerade bei den Lovesongs wird bei manchen Gästen heimlich für Kuschelstimmung gesorgt. Der letzte Song zeigt auf, wie gefühlvoll die jungen Rocker sein können. Für die Zugabe gibt es ihrerseits keine Zeit mehr, sodass die Celler nur hoffen können, diese unglaubliche Band mit ihrer vielfältigen Bühnenpräsenz wiederzusehen. Zum Trost kann man aber selbstverständlich eine CD für günstige 3,00 Euro erwerben, die jedoch sehr schnell verkauft sind. In der Umbaupause machen sich die meisten auf den Weg zur Theke oder zum Aufenthaltsort aller Qualmenden – vor die Tür. Nach zehn Minuten werden die Menschen langsam ungeduldig, da sich die Masse wieder in der Halle versammelt hat und starr auf die Bühne blickt. Nun ist auch das getigerte Schlagzeug von Sir Tobi, der Synthesizer und der Peace-Banner gänzlich zu erkennen. Die Unterhaltungsmusik wird immer leiser und leiser. Ein Augenblick der Spannung ist gekommen. Carbite Williamson (Stephan Kabisch; voc/key/harp/organ), Sir Tobi (Burkhard Zweifler; drums), Randy B. Bluebird (Eiko Witt; git/voc) und Mighty Mitch McCennedy (Mitch Hinze; bass/voc) betreten die Bühne und bekommen gleich großen Beifall. Wie immer fällt jedem sofort die äußerst glamouröse Bekleidung auf; besonders die wilden Frisuren und die hochhackigen Schuhe. Die Show beginnt mit dem Eröffnungssong „ Hey Rock´n´Roll“ und bringt die Leute sofort zum Tanzen. Doch wo bleibt Mr. Sweety Glitter? Natürlich musste er sich vorher noch schick machen und schüttelt nun stolz seinen bepelzten, orangefarbenen Mantel in einer erotischen Weise. Es geht sofort weiter mit „Down“, „ Girls, Girls, Girls“ und einem kurzen, improvisiert „Song“, der den Satz  „Bitte etwas lauter“ beinhaltet und in einer lustigen Weise von Mr. Williamson performed wird, da sein Liebling, die Hammond-Orgel, etwas zu leise gestellt war. Mr. Sweety Glitter verschwindet kurz hinter die Kulissen und kommt mit seiner roten, als Kuhmuster genähten Jacke hervor. Weiter geht’s mit altbekannten Klassikern wie „Born to be wild“, „I love Rock´n´Roll“ und „Ballroom Blitz“. Die Glamrocker spielen, was das Zeug hält. Zudem merkt man ihnen ihr Alter überhaupt nicht an; so taff präsentieren sich die „jungen“ Herren hier auf ihrem Lieblingsplatz - auch mit hohen Absätzen, die eigentlich nicht zum Rumtollen geeignet sind. Daraufhin beginnt ein kleines Solo auf dem Keyboard, doch bevor es wirklich losgeht, gibt es noch einige Spielchen mit der Zunge zwischen dem Frontmann und Carbite zu beobachten - ziemlich amüsant für die Celler. Auch der  bekannte Mann höheren Alters ist, wie auch im Inkognito und überall sonst, wieder dabei und tanzt vor der Bühne so richtig ab. Die erstaunten und belustigenden Blicke der anderen kann man kaum übersehen, doch mal im Ernst: Bei derartigen Konzerten ist es ein Muss, sich der Musik motorisch anzupassen und sich seiner Freiheit zu bedienen. Auch Mr. Bluebird schwingt seine Gitarre und spielt ein Solo, welches die Leute sehr amüsiert und anschließend viel Applaus bekommt. Bloß nicht zu vergessen sind „Black Betty“, „I was made for loving you“ und „Cum on feel the noize“, die garantiert für gute Laune sorgen. Auch Mr. Williamson kommt zu Wort und singt voller Energie, voller Leidenschaft und voller Freude für die geliebten Celler und Cellerinnen, die mehrmals von der Truppe gelobt werden. Aber nicht nur wir, sondern auch „John Tennis“ wird sehr für ihre Leistungen und für den Ersatz eines Verstärkers gelobt - ein Verstärker der Sweethearts ist vor dem Auftritt bereits „abgeraucht“. Seine witzige und verrückte Seite zeigt Carbite mit bestimmten Gesten und dem Herumwirbeln des Mikrofonständers, wobei man besser in Deckung geht. Mr. Sweety Glitter fragt die Menge tatsächlich, ob die Band nun den letzten Song spielen soll. Kaum eine Sekunde später wird die Halle mit einem lauten und ausdrucksvollem „Nein!“ erfüllt, sodass dieser sich sicher sein kann, dass wir sie nicht so schnell gehen lassen werden. Auch die Songs danach lassen die  Fans verrückt spielen und bewegen ständig zum Tanzen. Nach einer Weile wird der letzte Song bekannt gegeben, der für eine ganz besondere Person bestimmt ist; eine Person, die der Band schon seit 14 Jahren vor den Auftritten das Leben rettet: Die umwerfende, unverwechselbare „Vodka-Rosi“.
„Emily“, so das Lied, wird nur für sie mit einem Hauch Romantik gesungen. Mr. Sweety Glitter kuschelt sogar dabei mit Bassist Mitch, der das sichtlich genießt.
Mit der Aussage „Ich bin müde, Baby“ möchte der Anhängliche Frontmann ausdrücken, dass es nun zum Ende kommt. Die Band geht von der Bühne; trotzdem erwartet man noch einmal ein „ Comeback“ und ruft „Zugabe!“, wobei sich immer mehr Leute anschließen. Die erleichterten Gesichter mit strahlendem Lächeln sind kaum zu übersehen, als die Sweethearts an ihre gewohnten Plätze zurückgehen.

„Könnt ihr denn immer?“, fragt Mr. Glitter zweideutig das Publikum. Dem Anschein nach können die wilden Celler immer noch und zu jeder Tageszeit...einen Song ertragen!
Doch nichtsdestotrotz naht das Ende. Sir Tobi liefert uns ein beeindruckendes Solo, das einfach nur zum Pfeifen und zum Klatschen veranlasst. Nach diesem großen Spektakel wird der Sprecher, der die Vorband anfangs vorgestellt hat, auf die Bühne gebeten und von Mr. Glitter höchstpersönlich vorgestellt; mit Anhang eines Abschiedskusses direkt auf den Mund, das für Gelächter und staunende Blicke sorgt. Und wieder verlassen die Fünf die Bühne und werden wieder durch die Schreie zurückgeholt. Leider endet es kurz darauf wieder nach einer weiteren Zugabe - endgültig.

Der Abend voller Glamour mit „Sweety Glitter and The Sweethearts“ hat sich sehr gelohnt und vor allem viel Spaß bereitet. Auch die Vorband „ John Tennis“ eroberte die Celler, sodass wir uns alle auf einen zweiten Besuch freuen.

Neuen Kommentar schreiben