Die Songwriterin Wendy McNeill dürfte den wenigsten ein Begriff sein. Die Kanadierin bereist, mit dem Akkordeon im Gepäck, seit einigen Jahren die Welt. Im Rahmen des 55° Nord Programms des KFZ Marburg, besuchen wir ein Konzert McNeills.
Die Show beginnt pünktlich um acht mit einem Stück aus dem 2008er Album „A Dreamer’s Guide to Hardcore Living“. Danach kriegt das Publikum eine abgespeckte Version von „For the Wolf a Good Meal“ zu hören. Die Geschichte, die sich über mehrere Songs zieht, handelt von einem besonderen Mann. Dieser darf sich einen Wunsch erfüllen, wobei bei dessen Umsetzung einiges schief läuft.
Die einzelnen Songs variieren stilistisch stark und doch zieht sich ein roter Faden durch alle Lieder. Denn die verspielte und verträumte Spielart der drei Künstler und ihre merkbare Liebe zur Musik faszinieren bei jedem Titel aufs Neue. Was wir zu sehen bekommen sind drei sehr virtuos spielende Menschen, die aus ihren Instrumenten die ungewöhnlichsten Töne herausholen. Bewundernswert ist vor allem Wendy, die singt, Akkordeon spielt, mit ihren Füßen Toneffekte aktiviert, mit dem anderen Fuß gleichzeitig auf den Boden stampft und dabei dennoch elegant wirkt.
Besonders hervorzuheben ist der Song „Giver“. Dabei erzeugt der Schlagzeuger auf besonders raffinierte Art und Weise die Töne, die dem Song das gewisse etwas geben. Er nutzt zum Beispiel die Seiten der Trommeln und die Ständer der Becken zur Erzeugung der außergewöhnlichen Klänge, die das Lied so ausmachen. Dazu noch der grandiose Refrain und nicht nur wir sind kurz davor von unseren Stühlen aufzuspringen und zu tanzen.
Zwischendurch erzählt die anfangs noch sehr schüchterne Sängerin immer wieder, an welchem Punkt der Geschichte wir uns nun gerade befinden. Sehr praktisch, wenn man mal eben mehr auf die Musik, als auf den Gesang geachtet hat. Leider werden große Sprünge in der Handlung vollzogen, sodass das Publikum nicht die volle Geschichte erfährt. Trotzdem schwillt der Applaus nach jedem Lied weiter an. Die Künstler schaffen es unsere Neugier zu wecken.
Zum Schluss muss das Trio dreimal zurück auf die Bühne kommen und Zugaben geben. Die drei genießen den Applaus sichtbar.
Wendy McNeill’s Musik ist schwer zu beschreiben: Itunes sagt, es sei Country. Die Instrumentierung mit einem Kontrabass, Schlagzeug und wahlweise einer Gitarre oder dem bereits erwähnten Akkordeon erinnert zwar an die des klassischen Country, doch für diese Beschreibung ist ihre Musik einfach zu düster. Die Tendenz zu Songs von The Cure oder The Sisters of Mercy ist durchaus herauszuhören, nimmt dem Ganzen jedoch nicht die Eigenständigkeit. Besonders gut gefällt uns der Zynismus der Lieder. Nach fast jeder Nummer müssen wir schmunzeln. Wendy verbindet mit Leichtigkeit schwermütige Themen mit Humor.
Ein super Konzert. Wir können euch nur empfehlen mal in die Musik reinzuhören. Live ist die Wirkung dieser Band aufgrund des besonderen Charmes jedoch deutlich intensiver. Wir sind wirklich gespannt, was uns in der nächsten 55° Nord Ausgabe vom KFZ Marburg erwarten wird.
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