Die kalte und dunkle Jahreszeit schickt uns eingehüllt im Mantel den viel zu weiten Weg vom Auto zur 60er-Jahre Halle der Faust in Hannover. Etwas zu spät, etwa gegen 20.15 Uhr, betreten wir eine bis zum letzten Quadratmeter gefüllte Halle. Für einen Euro kann man hier seine Garderobe loswerden um sich anschließend einen guten Platz in den ersten Reihen zu sichern.
Die Fotos an diesem Abend sind von Gastfotografin Michelle.
Doch wer bis hierhin geglaubt hat, dass ruhige, gefühlvolle Songs nur Mädchen locken können, wird hier eines Besseren belehrt: Nicht nur die Altersgruppen sind bunt gemischt, sondern auch die Geschlechter und sogar das ein oder andere „Frisurendouble“ lässt sich erhaschen. Als Vorband spielen Slow Runner, die sich der Schiene des ruhigen Alternatives perfekt fügen und das Publikum gekonnt einstimmen.
Als Sie um 20.30 Uhr jedoch die Bühne räumen, will das Publikum nur noch Eines, und das ist William.
Ein zierlicher junger Mann, mit ausgeprägtem Haarwuchs an Kinn und Brust und dafür umso weniger Haaren auf dem Kopf selbst, betritt im locker sitzendem, bis zur Brust geöffnetem Hemd und Jeans die Bühne. Hinter ihm 3 Gitarren.
Kein Wort fällt zu Beginn seines Konzertes, womit er anfängt ist sein Talent: Das Singen. Und von dieser Sekunde an schafft es Fitzsimmons, das Publikum in seinen Bann zu reißen. Eine klare und unglaublich gefühlvolle und vor Allem echte Stimme verzaubert und überzeugt. Seine Augen geschlossen, die Finger tanzen über die Saiten und erst nach dem zweiten Song begrüßt er offiziell seine Anhänger. Undzwar mit den Worten „Okay, so this is the last song.“
Er erzählt davon wie er seine Mutter daten wollte und sich im Anschluss nicht mehr eklären konnte warum. Mit diesen gezielt gesetzten Phrasen gibt er seinem Konzert das ausreichende Ventil um nicht in der Melancholie seiner Songs zu versinken, sondern eine Balance zwischen träumen und lachen zu finden.
Mit Liedern wie „Beautiful Girl“ oder „Everything has changed“ nimmt das Klatschen, Anhimmeln der Mädels und Beifallsrufe mehr und mehr zu. Den Großteil des Konzertes spielt er zusammen mit Keyboarder, Schlagzeuger und Bassist der Vorband. Er verliert ein Lob über das Deutsche Bier („You wanted a jew drinking beer!“), er kennt die Geschichte vom Nicht-Existierenden Bielefeld und sagt über sich selbst „My beard is a tiger und mein Schwanz ist riesig.“
Damit sammelt er sich sämtliche Sympathiepunkte ohne dabei sein musikalisches Können zu verschleiern.
Zwar lässt sich zu seinen ruhigen Melodien gemütlich von einem Fuß auf den anderen wanken, doch wer sich auf einem Konzert auspowern möchte, ist hier falsch. Dass William aber auch anders kann, beweist er uns mit einer spontanen Einlage von „Sweet Home Alabama“, mit dem er uns wenigstens einen kurzen Augenblick gibt auch einmal „abzurocken“.
Zum Ende des Konzerts kommen alle vier Musiker noch einmal nach vorne um sich mit einem Acapella Song um 22:15 Uhr zu verabschieden. Doch die Zugabenrufe locken ihn noch 2 weitere Male auf die Bühne, er schenkt uns „After All“ und „From the water“.
650 Leute dürfen danach entweder nach Hause oder noch einmal beim Merchandise Stand Fitzsimmons persönlich Hallo sagen. Wir begeben uns nun wieder auf die Suche nach unserem Auto und entdecken es zweiter Reihe eingeparkt..
Ein wirklich schöner Samstagabend mit einem grandiosen Musiker unserer Zeit.
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